Opernwelt April 2020
Editorial
Im Focus
Freude, schöner Götterfunken?
Tobias Kratzer traut in seinem Londoner «Fidelio» dem Publikum im Royal Opera House viel zu, Lise Davidsen singt Jonas Kaufmann vom Platz; in Berlin befassen sich Insassen einer JVA mit dem Stoff
Sehnsucht, subkutan
Christof Loy erkundet in Oslo die geheimen Seelenregungen zumal der weiblichen Protagonisten in Tschaikowskys «Eugen Onegin», Lothar Koenigs lotet die emotionalen Wechselbäder der Musik aus
Entzaubert
Lotte de Beer wirft an der Deutschen Oper am Rhein einen schonungslosen Blick auf die fehlerhaften Liebeskonzepte in Händels «Alcina», Axel Kober dirigiert das Dramma per musica historisch informiert, jedoch etwas hüftsteif
Alles nur Kino
Jossi Wieler und Sergio Morabito neutralisieren in Genf Meyerbeers «Hugenotten», an der Rampe machen fulminante Solisten aus dem Fünfakter ein Sängerfest
Ein Coup
Joana Mallwitz und Barrie Kosky bringen Strauss’ «Salome» an der Oper Frankfurt auf den Punkt
Radikal pessimistisch
Michael Schulz nutzt in Gelsenkirchen die thymotischen Energien in Verdis «La forza del destino» für eine düstere gesellschaftspolitische Analyse, Giuliano Betta entlockt der Partitur auch Momente himmlischer Schönheit
Drei Mal Leben
Jean-Philippe Clarac und Olivier Deloeuil verknüpfen in Brüssel die drei Opern Mozarts und da Pontes zu einem assoziativen Beziehungsgeflecht, Antonella Manacorda durchmisst die Klangwelten mit pulsierendem Elan
Hören, Sehen, Lesen
Ein Italiener aus Brasilien
Neu belebt in Cagliari: Antônio Carlos Gomes’ Grand Opéra «Lo schiavo» aus dem Jahr 1889
Letzte Blüten
Miniaturen des Wiener Fin de Siècle: Neue Aufnahmen mit Camilla Tilling, Ruby Hughes, Christoph Prégardien und Markus Werba
CD des Monats
Klanglicher Reichtum
Jordi Savall, Le Concert des Nations, La Capella Reial de Catalunya und ein vorzüglich besetztes Solistenquintett beleben Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha triumphans»
Hören, Sehen, Lesen
Die Einsame und der Elefant
Francis Poulencs «La voix humaine» und «L’Histoire de Babar» aus Italien
Tuckernder Grusel
Erstmals auf CD: Philip Glass’ Poe-Oper «The Fall of the House of Usher»
Pfirsichbaum in Safran
Hanna-Elisabeth Müller und Juliane Ruf erkunden in Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc die Welt der Melancholie
Väter und Söhne
Dreimal Mozart: Silke Leopolds Biografie von Leopold Mozart, Michael Lemsters genealogische Untersuchung sowie ein Band mit Schriften und Reden von Nikolaus Harnoncourt
Der Mann aus Märklin-Land
Regisseur Alfred Kirchner fügt aus «autobiografischen Splittern» (s)einen Lebensbogen
Durch Böhmens Hain und Flur
Ein bis heute unterschätzter Komponist: Hans-Klaus Jungheinrichs Überlegungen zum Werk Bedřich Smetanas
Fein geschliffen
Matthias Henke beschreibt in «Beethoven. Akkord der Welt» akribisch den Wirkungskreis des Komponisten bis heute, Andreas J. Hirsch folgt dem Titan mit der Kamera durch Wiens Gassen
Ein bühnenreifes Leben
Catrin Möderlers Biografie erinnert an die erstaunliche Karriere der Sopranistin Mila Röder
Interview
Auf hoher Eskalationsstufe
Elisabeth Stöppler spricht über die Faszination Wagner’scher Werke, die Lust am Regieführen und das ständige Scheitern in der Liebe
Porträt
Er will nur spielen free
Seit 2018 ist Cornelius Meister Musikchef der Stuttgarter Staatsoper und des Staatsorchesters. Leise und hartnäckig saniert der Dirigent die Fundamente des Zusammenspiels
Abschied
Die lyrische Mitte
Zum Tod von Mirella Freni
Panorama
Essay
Atem der Tradition
Heute steht die Berliner Staatskapelle für eine dunkle Espressivo-Kultur, die gern als «deutsch» etikettiert wird. Dabei war es ein Italiener, der das Orchester zu einem Ensemble von europäischem Format machte. Eine kleine Tour d’Horizon durch die 450-jährige Geschichte des Klangkörpers
Service
Magazin
Bretter, die viel Geld bedeuten
Die Komische Oper soll fürs 21. Jahrhundert fit gemacht werden und außerdem einen Neubau für Probensäle, Büros und Kundenkommunikation bekommen. Das kostet mindestens 227 Millionen Euro. Diesmal will Berlin aber alles besser machen als beim Sanierungsdebakel Unter den Linden
Zwischenruf April 2020
Mozart-Kugeln? Schokolade von gestern! Was wir zu den Jubiläen 2020 brauchen, sind Beethoven-, Hegel- und Hölderlin-Kugeln sowie eine Friedrich-Engels-Oper
Stets sie selbst
Menschlicher Tiefgang, darstellerische Virtuosität – eine Würdigung von Anja Silja zum 80. Geburtstag
Zukunftsmodell
Die Kungliga Operan Stockholm präsentiert unter dem Motto «Short Stories II» drei Kurzopern schwedischer Komponisten
Fremd zieh' ich wieder aus
Hans Zenders und Bernhard Langs Übermalungen von Schuberts «Winterreise» in Stuttgart und Mainz
Ganz alte Schule
Zum Tod des italienischen Dirigenten Nello Santi
Trash trifft Tradition
Offenbach im Dresdner Doppelpack: An der Staatsoperette bringt Valentin Schwarz die «Banditen» zur Strecke, Josef E. Köpplinger huldigt an der Semperoper der «Großherzogin von Gerolstein»
Kampf ums Pult
«Die Dirigentin»: ein Film-Melodram über die amerikanische Pionierin Antonia Brico
Tänzelnde Lipizzaner
Das Stuttgarter Festival Eclat zeigt zwei Produktionen zwischen Musiktheater und Performance
Der Empfindsame
Zum Achtzigsten des Wagner-Recken Siegfried Jerusalem
Über Grenzen hinweg
Beim Kurt Weill Fest in Dessau trifft jüdische Operetten- und Liedkunst auf politisch ambitoniertes Musiktheater des polnischen Künstlerkollektivs The Airport Society
Apropos... Verzierungen
Im 18. Jahrhundert war die Ausschmückung von Arien in der italienischen Oper gängige Praxis. Doch wie gehen Interpreten heute mit jenen meist improvisierten Zutaten um, mit denen die Stimmstars von damals ihr Virtuosentum demonstrierten? «Das Ornament gehört dem Solisten», sagt der argentinische Countertenor Franco Fagioli. Er sieht sich nicht als Neuerer, sondern als Nutznießer einer organischen Entwicklung von Monteverdi bis zum Verismo