Schuld und Sühne
Ach, die Bahn! Unzuverlässig, verspätet und verspottet, weil «immer nur abgebaut wird». Als Giselher Klebe seine 1980 in Mannheim uraufgeführte Oper «Der Jüngste Tag» schrieb, war die Bahn gefühlt noch superpünktlich. Angesichts der heutigen Schienenmisere wirken die Klagen zu Beginn des Stücks unfreiwillig aktuell und erheiternd. Dabei hat die Geschichte das Zeug zu einem veritablen Bahnkrimi.
Der unglücklich verheiratete Stationsvorsteher Hudetz gibt, abgelenkt durch ein amouröses Techtelmechtel mit Anna, der Wirtshaustochter, ein Signal zu spät und lässt einen Eilzug mit einem Güterzug zusammenstoßen, 18 Menschen sterben. Der brave Bahnbeamte wird zum Mörder: Er tötet Anna, die vor Gericht seine vorgebliche Unschuld beteuert hat, um sie an einem Widerruf ihres Meineids zu hindern. In dem etwas wirren Schlussbild akzeptiert Hudetz nicht die weltliche Justiz, sondern will gleich die «höchste Instanz» anrufen, das Jüngste Gericht.
Klebe hat fast ausschließlich literarische Stoffe vertont. «Der Jüngste Tag» geht auf Ödön von Horváths letztes Theaterstück von 1937 zurück, Klebes Frau Lore dichtete das Libretto. Die Geschichte wirkt streckenweise platt, weil Horváths komplexe, ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Josef Oehrlein
Für manche wird er immer derjenige bleiben, der rabiat auf einen meuternden Zuschauer reagierte. Im Frühjahr 1982 war das, an der Bayerischen Staatsoper. Als der junge Mann den «Aida»-Applaus mit Buhs beschmutzte, eilte Nello Santi ins Parkett, um dem Störenfried eine Ohrfeige zu verabreichen. Der Hieb kostete den Dirigenten laut Gerichtsbeschluss 6000 Mark, nie...
Du sollst nicht langweilen!» hieß das Motto eines ganz Großen. Leider kein Gegenwartskomponist, sondern Filmregisseur: Billy Wilder. Dennoch ein Satz von Gültigkeit, schließt er ja das Komplexe, Tiefgründige, Kluge nicht aus. In dieser Hinsicht bot das Stuttgarter Eclat-Festival, 1980 erstmals über die Bühne gegangen und neben den Donaueschinger Musiktagen das...
Sie war anmutig wie eine Fee, sie hatte eine zauberhafte, überaus zarte, silbrige Stimme, sie bezauberte die Opernwelt mit ihrem engelsgleichen Gesang. Jacques Offenbach lag ihr zu Füßen, Iwan Turgenjew sandte Liebesbriefe, das betuchte Publikum verehrte sie, und wenn sie nur die Bühne betrat, ging ein Raunen durch den Saal, noch bevor sie überhaupt den ersten Ton...
