Schuld und Sühne
Ach, die Bahn! Unzuverlässig, verspätet und verspottet, weil «immer nur abgebaut wird». Als Giselher Klebe seine 1980 in Mannheim uraufgeführte Oper «Der Jüngste Tag» schrieb, war die Bahn gefühlt noch superpünktlich. Angesichts der heutigen Schienenmisere wirken die Klagen zu Beginn des Stücks unfreiwillig aktuell und erheiternd. Dabei hat die Geschichte das Zeug zu einem veritablen Bahnkrimi.
Der unglücklich verheiratete Stationsvorsteher Hudetz gibt, abgelenkt durch ein amouröses Techtelmechtel mit Anna, der Wirtshaustochter, ein Signal zu spät und lässt einen Eilzug mit einem Güterzug zusammenstoßen, 18 Menschen sterben. Der brave Bahnbeamte wird zum Mörder: Er tötet Anna, die vor Gericht seine vorgebliche Unschuld beteuert hat, um sie an einem Widerruf ihres Meineids zu hindern. In dem etwas wirren Schlussbild akzeptiert Hudetz nicht die weltliche Justiz, sondern will gleich die «höchste Instanz» anrufen, das Jüngste Gericht.
Klebe hat fast ausschließlich literarische Stoffe vertont. «Der Jüngste Tag» geht auf Ödön von Horváths letztes Theaterstück von 1937 zurück, Klebes Frau Lore dichtete das Libretto. Die Geschichte wirkt streckenweise platt, weil Horváths komplexe, ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Josef Oehrlein
Malin Gjörup
Sie herrscht über ein vergleichsweise bescheidenes Reich: die Norrlands Operan im nordschwedischen Umea. Aber auch dort wird Musiktheater groß geschrieben. Nun steht Mozarts «Don Giovanni» an, dirigiert von Benjamin Bayl, inszeniert von Tobias Theorell, dem designierten Intendanten der Folkoperan, Stockholm. Eine Reise mitten hinein in leuchtende...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats April 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Wenn es nach Barrie Kosky geht, schlägt das Herz der Komischen Oper künftig im Dreidrittel-Takt. «Wir sind in einer der besten Locations in der Mitte Berlins», sagt der Intendant. «Das bedeutet, wir müssen hier eine durchdachte architektonische Dramaturgie entwickeln. Bei der erzählen wir zwei Geschichten aus der Vergangenheit und eine aus der Zukunft.» Hier...
