Letzte Blüten
Im Wien der vorvergangenen Jahrhundertwende erlebte das Lied mit Hugo Wolf, Gustav Mahler und den Komponisten des Schönberg-Kreises eine letzte Blüte. Mit Jugendstil, wie der Titel von Camilla Tillings CD es suggeriert, hat das allerdings wenig, mit dem gleitenden Übergang von der Spätromantik zu einer neuen, strengeren Stilkunst umso mehr zu tun. Korngolds «Einfache Lieder» op. 9 und Zemlinskys «Walzer-Gesänge» op. 6 sind gefällige, schlichte Gebrauchsmusik, aber auch Bergs «Sieben frühe Lieder» aus seiner Studienzeit und selbst Schönbergs «Vier Lieder» op.
2 auf Texte Richard Dehmels stehen trotz ihrer ambitionierteren Satztechnik und ihrer deutlich avancierteren Harmonik noch ganz im Bann der Tradition. Camilla Tilling singt das erfrischend unprätentiös, aber ohne jene kühle Schwärmerei, mit der Barbara Hannigan in einem vergleichbaren Programm («Vienna: Fin de Siècle» – siehe OW 1/2019) zu faszinieren wusste. Mahlers «Rückert-Lieder» schließlich sind, auch stimmlich, eine Nummer zu groß für sie.
Das trifft im Grunde auch auf die international wenig bekannte englische Sopranistin Ruby Hughes zu, die sich hauptsächlich im Barock profiliert hat. Mit ihrer zarten, silbrig ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Uwe Schweikert
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