Anspruchsvoll
Eine Zeitlang war Franz Kafka von der Idee beseelt, seine themenverwandten Erzählungen «Das Urteil», «Die Verwandlung» und «In der Strafkolonie» als Trilogie unter dem Titel «Strafen» zu veröffentlichen. Diesen Plan, den der Schriftsteller nie in die Tat umsetzte, hat nun Brice Pauset gleichsam posthum und im Auftrag der Oper Dijon zumindest musikalisch verwirklicht.
Pauset, der an der Freiburger Musikhochschule eine Komponistenklasse leitet, vertonte die zwischen 1912 und 1914 in Prag verfassten, von Dijons Hausdramaturgen Stephen Sazio nur unwesentlich gekürzten Texte auf Deutsch und fügte sie zu einer dreiaktigen Oper zusammen. Der Komponist wählt für sein Opus einen Parlando-Stil mit Gesangslinien in natürlicher Sprachmetrik; Ausnahmen sind die Momente, in denen Emotionen hochkochen.
Im «Urteil» treibt ein Vater seinen Sohn in den Selbstmord, in der «Verwandlung» mutiert der Sohn zum Käfer und geht des Menschseins verlustig. In der «Strafkolonie» schließlich bildet eine sadistische Tötungsmaschine die Lebensgrundlage für einen Offizier. Drei tragische Geschichten sind das, für die Pauset detailreiche Hörbilder und -assoziationen sowie rhythmisch definierte Strukturen ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Sabine Weber
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