Freude, schöner Götterfunken?
In der Justizvollzugsanstalt Tegel ist an einem der Blöcke ein Spiegel angebracht, darauf steht: «WASBRAUCHTESEINEM/ZUHELFEN?» Zu «Fidelio» passt die Frage wie die Faust aufs Auge. Das Gefängnistheater «aufBruch» hat in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern ein Stück um Beethovens Oper entwickelt. Gespielt wird in einem stillgelegten Zellentrakt; es ist ein fabelhafter Theaterabend. Die Akteure dürfen hinterher nicht nach Hause.
Das Bühnenportal der Londoner Royal Opera ist mit einem Prospekt verhängt, darauf steht: «LIBERTÉ. ÉGALITÉ. FRATERNITÉ».
Wer mit der Lektüre durch ist, kann sich selbst zuwinken, das Publikum wird nämlich abgefilmt. Mancher steht, ganz kindlich, extra noch mal auf, da schau, das bin ich! Dabei ahnen die Premierengäste sicher, dass die Regie diese narzisstischen Reflexe noch gegen sie verwenden wird. Ein Spiegel im Theater dient als Denkanstoß, nicht als Kompliment. Genau wie im Knast.
Tobias Kratzer aber gewährt in seinem «Fidelio» eine Gnadenfrist. Zur von Antonio Pappano fein ausbalancierten Ouvertüre gibt’s statt epischem Theater historisierende Kulissen. Verrußte Festungsmauern, ein dunkler Hof. Links kämpft ein Lindenbaum ums Überleben, ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Von den vier geistlichen Oratorien, die Antonio Vivaldi nachweislich komponierte, ist nur die Musik zu dem Oratorium sacrum militare «Juditha triumphans» erhalten. Das Werk entstand 1716, wahrscheinlich zur Feier des Sieges venezianischer Streitkräfte über das osmanische Heer auf der strategisch wichtigen Insel Korfu. Das lateinische Libretto des Juristen Giacomo...
Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und...
Eine Wiener Fotografie zeigt den achtjährigen André Heller im Kostüm des Rosenkavaliers, und als Internatszögling ist er dann immer wieder zu Hofmannsthals Fuchsschlössl in Rodaun gelaufen und hat den «Heiligen Hugo» um Rettung aus der jesuitischen Folterkammer gebeten. Mag sein, dass der Geist des Dichters ihn erhörte – doch mit Einfällen, wie man seine...
