Freude, schöner Götterfunken?
In der Justizvollzugsanstalt Tegel ist an einem der Blöcke ein Spiegel angebracht, darauf steht: «WASBRAUCHTESEINEM/ZUHELFEN?» Zu «Fidelio» passt die Frage wie die Faust aufs Auge. Das Gefängnistheater «aufBruch» hat in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern ein Stück um Beethovens Oper entwickelt. Gespielt wird in einem stillgelegten Zellentrakt; es ist ein fabelhafter Theaterabend. Die Akteure dürfen hinterher nicht nach Hause.
Das Bühnenportal der Londoner Royal Opera ist mit einem Prospekt verhängt, darauf steht: «LIBERTÉ. ÉGALITÉ. FRATERNITÉ».
Wer mit der Lektüre durch ist, kann sich selbst zuwinken, das Publikum wird nämlich abgefilmt. Mancher steht, ganz kindlich, extra noch mal auf, da schau, das bin ich! Dabei ahnen die Premierengäste sicher, dass die Regie diese narzisstischen Reflexe noch gegen sie verwenden wird. Ein Spiegel im Theater dient als Denkanstoß, nicht als Kompliment. Genau wie im Knast.
Tobias Kratzer aber gewährt in seinem «Fidelio» eine Gnadenfrist. Zur von Antonio Pappano fein ausbalancierten Ouvertüre gibt’s statt epischem Theater historisierende Kulissen. Verrußte Festungsmauern, ein dunkler Hof. Links kämpft ein Lindenbaum ums Überleben, ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Du sollst nicht langweilen!» hieß das Motto eines ganz Großen. Leider kein Gegenwartskomponist, sondern Filmregisseur: Billy Wilder. Dennoch ein Satz von Gültigkeit, schließt er ja das Komplexe, Tiefgründige, Kluge nicht aus. In dieser Hinsicht bot das Stuttgarter Eclat-Festival, 1980 erstmals über die Bühne gegangen und neben den Donaueschinger Musiktagen das...
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
Was tun, wenn das Herz verwundet ist, jede Hoffnung dahin und die Insel der Glückseligen nurmehr ein verdorrter Ort der Einsamkeit? Alcina, bis zu diesem Augenblick unumschränkte Herrscherin des Eilands, weiß sich keinen anderen Rat, als ihren Schmerz in eine der anrührendsten Arien zu kleiden, die Georg Friedrich Händel je komponierte – das Andante Larghetto «Ah,...
