Knackig bunt
Ein zweite Marilyn Monroe wollte sie werden, doch bis zu ihrem Tod durch eine Überdosis Medikamente mit 39 Jahren blieb Anna Nicole Smith nur Drama Queen der Yellow Press. Ihr größter Coup war die Hochzeit mit dem vergreisten Milliardär J. Howard Marshall, auf dessen Ableben jahrelange Erbstreitigkeiten, Drogenexzesse und der öffentliche Absturz folgten. Brisanter Stoff also für eine eigene Doku-Soap – zwei Jahre lang flimmerte «The Anna Nicole Show» durch amerikanische Wohnzimmer.
2011 kam dann die Oper «Anna Nicole» des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage auf ein Libretto von Richard Thomas an Londons Covent Garden heraus.
«I wanna blow you all», singt Anna Nicole, während sie sich aus einem glitzernden Leichensack schält und «a kiss» in den Saal haucht. Begleitet von Requiem-Klängen lässt Regisseur Bernd Mottl den wasserstoffblonden Kurvenstar am Hessischen Staatstheater Wiesbaden vor der Kulisse eines Fernsehstudios in funkelnder Silberrobe wiederauferstehen. Der Chor fiebert auf steilaufragender Tribüne mit. Kostüm- und Bühnenbildner Friedrich Eggert hat ihn als quietschbunten Querschnitt amerikanischer Gesellschaftsklischees ausstaffiert: Cheerleader, ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler
New York, 1926. Ein Konzert mit Mahlers Vierter. Die würde die junge Frau gern auch mal dirigieren. Auf dem Podium: Willem Mengelberg, der berühmte Maestro aus den Niederlanden, ein Star des klassischen Musikbetriebs. Doch Antonia Brico, die als Kind aus Rotterdam nach Amerika gekommene Immigrantin, muss sich damit begnügen, der High Society die Plätze anzuweisen....
Nur stillstehen, das sei nichts für ihn. Bewegen müsse er sich auf der Bühne, so sagte er einmal, aktiv und offensiv am Geschehen teilnehmen, dann sei er locker. Ungestümer als Ende der 1980er-Jahre ging es nicht: Da war Siegfried Jerusalem in der Partie seines Namensvetters eine der Stützen des so körperhaft-klugen Bayreuther Kupfer-«Rings». Eine astreine...
Der Skandal war unüberhörbar, damals, vor neun Jahren. Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Glinkas «Ruslan und Ljudmila» am Bolschoi Theater führte im Saal zu tumultartigen Szenen. Fast in jeder Vorstellung gab es lautstarke Zwischenrufe; man warf dem russischen Regisseur vor, das Werk in abscheulicher Weise verunstaltet zu haben. Kurzum: Das Volk im Parkett und...
