Zirkusreif
Eine Wiener Fotografie zeigt den achtjährigen André Heller im Kostüm des Rosenkavaliers, und als Internatszögling ist er dann immer wieder zu Hofmannsthals Fuchsschlössl in Rodaun gelaufen und hat den «Heiligen Hugo» um Rettung aus der jesuitischen Folterkammer gebeten. Mag sein, dass der Geist des Dichters ihn erhörte – doch mit Einfällen, wie man seine bekannteste Komödie für Musik inszenieren könnte, zeigte er sich knauserig. Heller hat lange davon geträumt, dieses Stück einmal auf die Bühne bringen zu dürfen, jetzt erfüllte ihm die Berliner Staatsoper diesen Traum.
Knauserig ist man dort nicht. Eine angenehm unterkühlte Camilla Nylund als Marschallin, eine mit sensationell konturiertem Vibrato ausgestattete Michèle Losier (Octavian), die herrlich warm und elegant intonierende Nadine Sierra (Sophie) und Günther Groissböck in seiner Paraderolle als Ochs, den er vom Image des liebenswert rumpelnden Falstaff befreit – diese Besetzung kann sich hören lassen. Zubin Mehta fällt dagegen ein wenig ab, neigt zu schleppenden Tempi, veranlasst das Orchester nur selten, mehr zu liefern als makellose Routine.
Auch die Ausstattung ist weiß Gott nicht billig. Und der erstmals eine große Oper ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Volker Tarnow
In Händels selten gespieltem «Tolomeo», der die 43. Internationalen Karlsruher Händel-Festspiele eröffnete, sind noch keine zwei Minuten vergangen, als der von seiner Mutter vertriebene, um seine totgeglaubte Geliebte Seleuce trauernde Pharao Tolomeo Selbstmord begehen will, aber von einem Schiffbrüchigen abgehalten wird, den das Meer an Land spült. Er rettet ihn,...
Zumindest für Science-Fiction-Freunde hält der Erfurter «Lohengrin» ein paar Augenblicke Kurzweil bereit. Dann nämlich, wenn man das Plündern einschlägiger Genrefilme, das Regisseur Hans-Joachim Frey und sein Ausstatter Hartmut Schörghofer so unbekümmert wie wenig durchdacht betreiben, zum Anlass für ein heiteres Zitate-Raten nimmt. «Metropolis», «Raumpatrouille...
Für manche wird er immer derjenige bleiben, der rabiat auf einen meuternden Zuschauer reagierte. Im Frühjahr 1982 war das, an der Bayerischen Staatsoper. Als der junge Mann den «Aida»-Applaus mit Buhs beschmutzte, eilte Nello Santi ins Parkett, um dem Störenfried eine Ohrfeige zu verabreichen. Der Hieb kostete den Dirigenten laut Gerichtsbeschluss 6000 Mark, nie...
