Pfirsichbaum in Safran

Hanna-Elisabeth Müller und Juliane Ruf erkunden in Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc die Welt der Melancholie

Opernwelt - Logo

Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und ihrer Liedbegleiterin Juliane Ruf markiert dieses Stück den Auftakt zu einer Reise durch die Welt der poetischen Empfindungen.

Zart und zugleich fahl klingt die Lineatur von Stimme und Klavier, wie hinter Schleiern aufgezogen, unaufdringlich-eindrücklich, und so auch gesungen, gespielt, ja gleichsam ertastet.

Bereits in ihrer Aufnahme mit Liedern von Strauss, Schönberg und Berg («Traumgekrönt») hatte sich das blendend harmonierende Gespann Müller/Ruf, dem Repertoire angemessen, für größtmögliche Dezenz entschieden, für eine leise, innnige, dabei aber klar deklamierte Zurückhaltung selbst in jenen Passagen, wo man den vitalen Aufschwung vermuten würde. Diese Kultur der sanften, bedächtig-sublimen Töne findet sich auch in den Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc wieder, wobei auffällt, dass die Stimme der Sopranistin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Knackig bunt

Ein zweite Marilyn Monroe wollte sie werden, doch bis zu ihrem Tod durch eine Überdosis Medikamente mit 39 Jahren blieb Anna Nicole Smith nur Drama Queen der Yellow Press. Ihr größter Coup war die Hochzeit mit dem vergreisten Milliardär J. Howard Marshall, auf dessen Ableben jahrelange Erbstreitigkeiten, Drogenexzesse und der öffentliche Absturz folgten. Brisanter...

Väter und Söhne

Die Pointe ist gut. Und steht deswegen zu Recht gleich in der Einleitung zu Silke Leopolds fabelhafter Biografie eines Künstlers, über dessen Wesen, Charakter und Begabung die Nachwelt seit Langem im Streite liegt. War Leopold Mozart wirklich nur der eifer- und eigensüchtige Tyrann, der seinen Sohn zur Sonne hinaufkatapultieren wollte, koste es, was es wolle? Oder...

Er will nur spielen

Hamburgs Pech ist Stuttgarts Glück. Als ein Nachfolger für Simone Young gesucht wurde, die ihren 2015 auslaufenden Vertrag als Generalmusikdirektorin der Hamburgischen Staatsoper nicht verlängern wollte, hatte man bald Cornelius Meister im Blick, damals Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Melomane Hanseaten, die einflussreicher waren, als ihr...