Fein geschliffen

Matthias Henke beschreibt in «Beethoven. Akkord der Welt» akribisch den Wirkungskreis des Komponisten bis heute, Andreas J. Hirsch folgt dem Titan mit der Kamera durch Wiens Gassen

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Die Wette wurde im Freundeskreis abgeschlossen: Beim Googlen des Stichworts «Titan» im Internet würde an erster Stelle nicht Ludwig van Beethoven erscheinen, sondern ein auf andere Weise legendärer Mann, der frühere Torhüter des deutschen Fußballserienmeisters Bayern München, dort jüngst mit Getöse zum Vorstandsmitglied bestellt. Klick. Oliver Kahn, tatsächlich. Wette gewonnen, Applaus vom Gegner. Ganz ähnlich wäre vermutlich das Ergebnis einer Straßenumfrage. Daran änderte wohl auch das «Beethoven-Jahr» wenig.

Und Gänsehaut bekäme die demoskopisch erfasste Mehrheit vermutlich eher in Erinnerung an Kahns entscheidende Parade bei Mauricio Pellegrinos Strafstoß im Finale der Champions League 2001 gegen Valencia. Weniger beim Anhören von Beethovens «Appassionata», die noch Otto von Bismarck nach eigener Aussage zu einem «tapferen Menschen» formte. Tempora mutantur, ed nos mutamur in illis.

So ist jene aspera-ad-astra-Dramaturgie, die frühere Beethoven-Biografien formte, größerer Distanz gewichen. Auch Matthias Henke fördert in seinem Buch eine neue Wahnehmung, verweigert dabei aber alles Schnoddrige, sondern behandelt das Thema mit Respekt, Liebe und Neugier. Ohne falsche ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché

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