Apropos... Verzierungen
Herr Fagioli, kann man Verzieren lernen?
Ja, weil es Regeln folgt, die mit der Konstruktion von Harmonie und Melodie zu tun haben. Es macht aber einen Unterschied, wie man sie verwendet.
Wie weit verlassen Sie sich dabei auf historische Quellen?
Etwa zur Hälfte, würde ich sagen. Eine ebenso große Rolle spielt aber meine eigene Interpretation. Ich lese Bücher dazu, aber dann muss ich mich freimachen für die eigene Kreativität.
Was ist Ihr Ziel, wenn Sie Fiorituren einsetzen?
Ich versuche damit in der Regel, einem einzelnen Wort größere Relevanz zu geben oder eine Emotion zu vergrößern, die die Figur erlebt. Jedenfalls geht es mir nicht nur darum, Virtuosität zu zeigen. Bei diesem Thema ist weniger manchmal mehr, sonst klingt es schnell oberflächlich oder unnatürlich. Deshalb ist es auch wichtig, dass Verzierungen so persönlich wie möglich sind. Im Kastratenzeitalter hatten alle Sänger eine entsprechende Ausbildung, spielten ein Instrument und wussten genug über Harmonie, Kontrapunkt und Komposition, um ihre eigenen Verzierungen gestalten zu können. Das Ornament gehört dem Solisten.
Das heißt, Sie entwickeln Verzierungen nicht gemeinsam mit dem Dirigenten?
In der Gegenwart ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Michael Stallknecht
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats April 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Die heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Landgut der Frau Larina sind nurmehr folklorelose Skizze, wie nebenbei hingeworfene Schraffur: Ein dienstbarer Geist, natürlich weiblichen Geschlechts, füllt heiß aufgekochte Marmelade in Weckgläser ab. Eine Kollegin wischt den Boden, eine andere räumt Geschirr in den Wandschrank. Dann geht Christof Loy sogleich ans...
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
