Tuckernder Grusel
«O man müsst’s sehen, man müsst’s greifen können …» Nicht unbedingt mit Fäusten, wie Wozzeck es gegenüber Marie vorbringt, sondern eher mit gespannten Sinnen. Aber es geht hier ja auch nicht um Bergs Oper, sondern um Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher». Von deren Aufführung durch die Wolf Trap Opera aus Washington DC erhalte das Ohr «bloß 40 Prozent des Genusses», schrieb die «Washington Post» in ihrer Premierenkritik. Dennoch erscheint die vorliegende Welt-Ersteinspielung dieser Oper zunächst auf der Hörbühne.
Ob noch eine DVD folgt?
Glass’ erstes Bühnenwerk «Einstein on the Beach» war ein bewusster Affront gegen den traditionellen Werk- und Kunstbegriff – eine Einladung zu frei assoziierender Interpretation. Dabei hatte die Laufbahn des 1937 in New York geborenen Amerikaners mit Kompositionsstudien bei Darius Milhaud und Nadia Boulanger begonnen. Doch die Begegnung mit dem indischen Musiker Ravi Shankar 1965 wurde zum Schlüsselereignis für Glass: Er zog sämtliche bis dahin komponierten Werke zurück und wurde zu einem Gründervater der so genannten «Minimal Music» – eine Bezeichnung, die er im Übrigen ablehnt. Zeitliche Abläufe schildert Glass auf ganz eigene, surreale ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché
Ein Einheitsraum, 16 Musiker, drei völlig verschiedene Sujets: Unter dem etwas großzügig formulierten Motto «Wie klingt die Oper von morgen?» legte Schwedens erstes Haus ein Format von 2016 erneut auf und beauftragte drei renommierte schwedische Komponisten mit jeweils einer «Short Story». Katarina Aronsson, Dramaturgin am Haus und Initiatorin des Projekts,...
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante...
New York, 1926. Ein Konzert mit Mahlers Vierter. Die würde die junge Frau gern auch mal dirigieren. Auf dem Podium: Willem Mengelberg, der berühmte Maestro aus den Niederlanden, ein Star des klassischen Musikbetriebs. Doch Antonia Brico, die als Kind aus Rotterdam nach Amerika gekommene Immigrantin, muss sich damit begnügen, der High Society die Plätze anzuweisen....
