Stets sie selbst
Als sie anfing, war sie nicht einfach nur eine neue, unerhörte Stimme, sondern ein ganz neuer Typ Sängerin. Ein Wunderkind zunächst – ausgebildet, gefördert und stets begleitet von seinem Großvater –, das vom Berliner Schlager bis zum Koloraturfeuerwerk der Königin der Nacht alles konnte, was man von ihm verlangte. Anja Silja lernte das Singen in einem Alter, in dem andere Kinder gerade Lesen und Schreiben üben.
Mit 12 Jahren gab sie ihr erstes öffentliches Konzert; jetzt wird sie 80 und ist bis vor Kurzem immer noch aufgetreten, so etwa bei einem Hasse-Abend zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth, wo sie die (hinzuerfundene) Rolle der alten Markgräfin sprach, mit ihrer Enkelgeneration (die bisweilen ziemlich alt aussah) auf der Bühne stand und mit wenigen Gesten zeigte, wie man Gefühle in Bewegung umsetzt. Vor zwei Jahren war das, und fast 50 Jahre, nachdem sie in Bayreuth – oben im Festspielhaus – debütiert hatte: als Senta und – eben – als neuer Typ Sängerin. Ihre somnambule Ballade, ihre Mischung aus Coolness und psychologischer Präzision, ihre instinktsichere, jugendliche Direktheit in Stimme und Körpersprache, das alles war selbst im entrümpelten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Stephan Mösch
Als Jugendliche wollte sie Pianistin werden. Dann entschied sich ELISABETH STÖPPLER für einen Kurswechsel, studierte erst in Rom Schauspiel und danach Musiktheaterregie bei Götz Friedrich und Peter Konwitschny. Seit sechs Jahren ist sie Hausregisseurin am Mainzer Staatstheater, für ihre Inszenierung der «Götterdämmerung» in Chemnitz erhielt sie einen...
Kaum ein Topos der Kulturgeschichte ist so sehr mit Assoziationen, Klischees und Vorurteilen überkrustet wie der der Femme fatale, der gefährlichen, verlockenden Schönen, die rigoros einzig sich selbst folgt, die Männer in den Untergang treibt, um ihnen wiederum zum Opfer zu fallen: Judith, Dalila, Carmen, Kundry, Salome, Lulu. Doch schon die Reihenfolge verweist...
Eine Krankheit verbreitet Schrecken und Tod. Ist eine Oper zu diesem Thema das Stück der Stunde? Nein, und gottlob versucht in Braunschweig auch niemand, zwanghaft eine Parallele zwischen AIDS und dem Corona-Virus zu ziehen. Dass bei der zweiten Vorstellung von Eötvös’ «Angels in America» dennoch ziemlich viele Plätze leer bleiben, ist wohl eher auf die...
