Lebenslügen
Eine Krankheit verbreitet Schrecken und Tod. Ist eine Oper zu diesem Thema das Stück der Stunde? Nein, und gottlob versucht in Braunschweig auch niemand, zwanghaft eine Parallele zwischen AIDS und dem Corona-Virus zu ziehen. Dass bei der zweiten Vorstellung von Eötvös’ «Angels in America» dennoch ziemlich viele Plätze leer bleiben, ist wohl eher auf die altgediente Skepsis gegen (vermeintlich) neue Klänge und Themen zurückzuführen.
Die wenigen «gesetzteren» Besucher bekundeten an diesem kurzweiligen und anregenden Abend indes Neugier, auch das Gros der 14- bis 15-jährigen Schüler blieb weitgehend bei der Stange. Herausgefordert wurden die digital gestählten Jugendlichen vermutlich weniger von den erotischen Themen dieser Homosexuellen-Oper, als vielmehr durch die Verhandlungen über das Jenseits, von dem die singenden Engel in (und aus) Amerika hier berichten.
Peter Eötvös hatte vor einem guten Vierteljahrhundert aus Tony Kushners prallem Theaterstück «Angels in America» ein verdichtetes Musiktheater gebaut, das dennoch nicht ganz so oft nachgespielt wurde wie die (ebenfalls prominent verfilmte) Vorlage. Dass diese Partitur Substanz besitzt, ist jetzt in Braunschweig beispielhaft ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Rainer Wagner
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