Trash trifft Tradition

Offenbach im Dresdner Doppelpack: An der Staatsoperette bringt Valentin Schwarz die «Banditen» zur Strecke, Josef E. Köpplinger huldigt an der Semperoper der «Großherzogin von Gerolstein»

Opernwelt - Logo

Auf dem Dach der gerade für 50 Millionen Euro sanierten Gemäldegalerie Alte Meister prangt jetzt eine Leuchtreklame: Aus pinkfarbenen Neonröhren wurden die Silhouetten der putzigen Putten nachgebildet, die man vom berühmtesten Bild der Dresdner Sammlung kennt, Raffaels «Sixtinischer Madonna». Darauf die zwei Engelchen lässig am unteren Bildrand lümmeln.

Die beiden Offenbach-Produktionen, die am Wiedereröffnungs-Wochenende der Gemäldegalerie Premiere hatten, bilden das musikalische Pendant zu diesen heiteren Himmelkindern: Sie erscheinen wie freche Freigeister im Kulturkalender von Elbflorenz, dieser kunstreligiös geprägten Bildungsbürgerstadt, die sich selber so ernst nimmt. Wie sehr entfernte Verwandte, die sich aufs Familienbild geschummelt haben. Französische Opéra-Bouffe passt zum Canaletto-Blick wie Champagner zur sächsischen Speckstippe.

Andererseits hatten die Dresdner zuletzt eher wenig zu lachen: Pegida rief zur 200. fremdenfeindlichen Demonstration, der Fußballverein Dynamo steht in der 2. Liga ganz unten, im Rennen um den Kulturhauptstadt-Titel 2025 ist Dresden schon in der ersten Runde rausgeflogen – und dann war da auch noch die Sache mit dem Opernball-Organisator ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Kampf ums Pult

New York, 1926. Ein Konzert mit Mahlers Vierter. Die würde die junge Frau gern auch mal dirigieren. Auf dem Podium: Willem Mengelberg, der berühmte Maestro aus den Niederlanden, ein Star des klassischen Musikbetriebs. Doch Antonia Brico, die als Kind aus Rotterdam nach Amerika gekommene Immigrantin, muss sich damit begnügen, der High Society die Plätze anzuweisen....

Zukunftsmodell

Ein Einheitsraum, 16 Musiker, drei völlig verschiedene Sujets: Unter dem etwas großzügig formulierten Motto «Wie klingt die Oper von morgen?» legte Schwedens erstes Haus ein Format von 2016 erneut auf und beauftragte drei renommierte schwedische Komponisten mit jeweils einer «Short Story». Katarina Aronsson, Dramaturgin am Haus und Initiatorin des Projekts,...

Über Grenzen hinweg

Barrie Kosky führt ein Doppelleben. Tagsüber ist er Chef der Komischen Oper Berlin, abends zieht es ihn, wann immer seine Zeit es erlaubt, ans Klavier. Als «Barpianist» spielt und singt er sich dann durch jiddische Operettenmelodien der 1920er-Jahre. Das Faible, weithin Vergessenes für die Öffentlichkeit wiederzuentdecken, zählt zum Markenzeichen seiner Berliner...