Trash trifft Tradition

Offenbach im Dresdner Doppelpack: An der Staatsoperette bringt Valentin Schwarz die «Banditen» zur Strecke, Josef E. Köpplinger huldigt an der Semperoper der «Großherzogin von Gerolstein»

Opernwelt - Logo

Auf dem Dach der gerade für 50 Millionen Euro sanierten Gemäldegalerie Alte Meister prangt jetzt eine Leuchtreklame: Aus pinkfarbenen Neonröhren wurden die Silhouetten der putzigen Putten nachgebildet, die man vom berühmtesten Bild der Dresdner Sammlung kennt, Raffaels «Sixtinischer Madonna». Darauf die zwei Engelchen lässig am unteren Bildrand lümmeln.

Die beiden Offenbach-Produktionen, die am Wiedereröffnungs-Wochenende der Gemäldegalerie Premiere hatten, bilden das musikalische Pendant zu diesen heiteren Himmelkindern: Sie erscheinen wie freche Freigeister im Kulturkalender von Elbflorenz, dieser kunstreligiös geprägten Bildungsbürgerstadt, die sich selber so ernst nimmt. Wie sehr entfernte Verwandte, die sich aufs Familienbild geschummelt haben. Französische Opéra-Bouffe passt zum Canaletto-Blick wie Champagner zur sächsischen Speckstippe.

Andererseits hatten die Dresdner zuletzt eher wenig zu lachen: Pegida rief zur 200. fremdenfeindlichen Demonstration, der Fußballverein Dynamo steht in der 2. Liga ganz unten, im Rennen um den Kulturhauptstadt-Titel 2025 ist Dresden schon in der ersten Runde rausgeflogen – und dann war da auch noch die Sache mit dem Opernball-Organisator ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Durch Böhmens Hain und Flur

Smetana, ein «großer Komponist»? Als 21. Name hat der Außenseiter aus Litomyšl seinen Platz gefunden in der vor 39 Jahren begründeten Reihe des Laaber-Verlags. Für den im Dezember 2018 verstorbenen Hans-Klaus Jungheinrich war der Schöpfer der «Moldau» sehr wohl ein «großer Komponist». In zehn Kapiteln deutet er an, wie viel in der tschechischen Musik des 19....

Editorial April 2020

Christoph Schlingensief hatte einen Traum. Einen durch und durch romantischen Traum. Er träumte von einem Ort weit abseits der etablierten Musentempel, an dem die Kunst wieder zu sich selbst kommen würde, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft, von  Zwängen befreit, künstlerisch arbeiten und einen postkolonialen Diskurs führen könnten. In diesem Traum kam das...

Zukunftsmodell

Ein Einheitsraum, 16 Musiker, drei völlig verschiedene Sujets: Unter dem etwas großzügig formulierten Motto «Wie klingt die Oper von morgen?» legte Schwedens erstes Haus ein Format von 2016 erneut auf und beauftragte drei renommierte schwedische Komponisten mit jeweils einer «Short Story». Katarina Aronsson, Dramaturgin am Haus und Initiatorin des Projekts,...