Bretter, die viel Geld bedeuten
Wenn es nach Barrie Kosky geht, schlägt das Herz der Komischen Oper künftig im Dreidrittel-Takt. «Wir sind in einer der besten Locations in der Mitte Berlins», sagt der Intendant. «Das bedeutet, wir müssen hier eine durchdachte architektonische Dramaturgie entwickeln. Bei der erzählen wir zwei Geschichten aus der Vergangenheit und eine aus der Zukunft.» Hier überlagern sich nämlich Zeitschichten aus der Kaiser- und der DDR-Zeit, hinzukommen wird ein Neubau für Probensäle und Büros direkt neben der Bühne.
Wie im Ökosystem eines Gartens soll dieses Trio zur organischen Einheit verschmelzen, erhofft sich Kosky.
2023 zieht die Belegschaft in den Westen der Stadt um, ins Schillertheater, wo bereits Daniel Barenboims Staatsoper während ihrer Sanierung logierte. Diesmal aber, so versprechen alle Beteiligten, wird es kein Baustellen-Debakel geben wie Unter den Linden, wo sich die Fertigstellung um vier Jahre verzögerte und die Kosten auf 440 Millionen Euro anstiegen.
Begonnen hat die Geschichte des Hauses in den Goldgräberjahren des Deutschen Reichs. 1892 wurde zwischen Unter den Linden und Behrenstraße ein Entertainment-Center errichtet, dessen Fassaden mit wilhelminischem Pomp ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Frederik Hanssen
Für manche wird er immer derjenige bleiben, der rabiat auf einen meuternden Zuschauer reagierte. Im Frühjahr 1982 war das, an der Bayerischen Staatsoper. Als der junge Mann den «Aida»-Applaus mit Buhs beschmutzte, eilte Nello Santi ins Parkett, um dem Störenfried eine Ohrfeige zu verabreichen. Der Hieb kostete den Dirigenten laut Gerichtsbeschluss 6000 Mark, nie...
New York, 1926. Ein Konzert mit Mahlers Vierter. Die würde die junge Frau gern auch mal dirigieren. Auf dem Podium: Willem Mengelberg, der berühmte Maestro aus den Niederlanden, ein Star des klassischen Musikbetriebs. Doch Antonia Brico, die als Kind aus Rotterdam nach Amerika gekommene Immigrantin, muss sich damit begnügen, der High Society die Plätze anzuweisen....
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante...
