Sehnsucht, subkutan
Die heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Landgut der Frau Larina sind nurmehr folklorelose Skizze, wie nebenbei hingeworfene Schraffur: Ein dienstbarer Geist, natürlich weiblichen Geschlechts, füllt heiß aufgekochte Marmelade in Weckgläser ab. Eine Kollegin wischt den Boden, eine andere räumt Geschirr in den Wandschrank.
Dann geht Christof Loy sogleich ans Eingemachte von Tschaikowskys «Eugen Onegin», den er beherzt vom Klischee befreit (dem äußerlich-dekorativen wie dem innerlich-küchenpsychologischen), um kompromisslos in die Abgründe vorzudringen, die dieser romantisch gefärbte Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts bereithält.
Der Meisterregisseur schaut dazu einfach mal genauer hin als viele seiner Kollegen. Hört auf die Zwischentöne der Musik und deren geheime Seelenregungen und spürt den Entwicklungslinien der Figuren mit maximalem Einfühlungsvermögen nach – zumal jenen der eigentlichen Hauptfigur des Stücks, der Romane verschlingenden Tatjana. Loy leitet seinen Tiefenblick dabei sehr wohl aus einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen ab, aus denen die Beziehungs- und Verhaltensmuster, die Werte, Sitten und – vor allem allzu männlichen – Unsitten der ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Krause
Ach, die Bahn! Unzuverlässig, verspätet und verspottet, weil «immer nur abgebaut wird». Als Giselher Klebe seine 1980 in Mannheim uraufgeführte Oper «Der Jüngste Tag» schrieb, war die Bahn gefühlt noch superpünktlich. Angesichts der heutigen Schienenmisere wirken die Klagen zu Beginn des Stücks unfreiwillig aktuell und erheiternd. Dabei hat die Geschichte das Zeug...
Der Skandal war unüberhörbar, damals, vor neun Jahren. Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Glinkas «Ruslan und Ljudmila» am Bolschoi Theater führte im Saal zu tumultartigen Szenen. Fast in jeder Vorstellung gab es lautstarke Zwischenrufe; man warf dem russischen Regisseur vor, das Werk in abscheulicher Weise verunstaltet zu haben. Kurzum: Das Volk im Parkett und...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats April 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
