Merkwürdig
Der Skandal war unüberhörbar, damals, vor neun Jahren. Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Glinkas «Ruslan und Ljudmila» am Bolschoi Theater führte im Saal zu tumultartigen Szenen. Fast in jeder Vorstellung gab es lautstarke Zwischenrufe; man warf dem russischen Regisseur vor, das Werk in abscheulicher Weise verunstaltet zu haben. Kurzum: Das Volk im Parkett und auf den Rängen schäumte.
Derselbe Ort, derselbe Regisseur, ein anderes Stück – und eine andere Reaktion: Tcherniakovs Lesart von Rimsky-Korsakows «Sadko» stieß beim Moskauer Publikum auf ungeteilte Zustimmung.
Der Titelheld dieser Oper, deren Libretto der Komponist selbst nach Motiven mittelalterlicher russischer Heldenlieder verfasste, ist eine Art russischer Orpheus, der mit seinem Gesang und seinem Instrument, einer griffbrettlosen Kastenzither (Gusli), Wolchowa, die schöne Tochter des Meereszaren, verzaubert. Vor den Augen der Nowgoroder Bürger zieht er mit ihrer Hilfe einen Fisch mit goldenen Schuppen aus dem Wasser und begibt sich danach auf eine Schifffahrt über die Meere. Der Zar holt ihn in sein maritimes Reich zurück und will ihn mit Wolchowa verheiraten, doch ein weiser Alter – es ist der Heilige Nikolaus – ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexei Parin
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