Zwischen Traum und Wirklichkeit
Aschenputtel forever: Ob Cinderella, Cenerentola, Cendrillon – das Märchen von Charles Perrault ist (samt seiner Varianten) ein Bühnendauerbrenner.
Der Traum vom besseren, schöneren Leben: Wer träumte ihn nicht gerne? Und das Lob der Gerechtigkeit, wenn Ehrlichkeit, Bescheidenheit, aufrichtige Liebe gegen Neid, Missgunst, Dünkel und Überheblichkeit siegen: Wer stimmte da nicht ein mit diesem armen Mädchen, dem die Gaben einer Fee wahre Schönheit, Glück und Zufriedenheit verleihen – und das seine menschliche Größe im generösen Verzeihen findet?
In der 1895 entstandenen, vier Jahre später uraufgeführten Version von Jules Massenet ist «Cendrillon» eine Fabel von Liebe und Tod mit bittersüßer Belle-Epoque-Morbidezza. Und so arbeitet Paul Zollers und Loriana Casagrandes Bühnenbild im Stadttheater Klagenfurt folgerichtig mit floralen Arabesken, eleganten blauen oder beigen Tapeten und erweitert dies um raffiniert gezoomte Videoprojektionen einer Pariser Stadtpalais-Fassade auf diesen Pfeilern. Das Spiel der Bilder changiert beständig zwischen Traum und Wirklichkeit und entwickelt eine eigene Eleganz, die sich fortsetzt in den bourgeoisen Kostümen von Axel Aust. Auf dem Laufsteg der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Karl Harb
«O man müsst’s sehen, man müsst’s greifen können …» Nicht unbedingt mit Fäusten, wie Wozzeck es gegenüber Marie vorbringt, sondern eher mit gespannten Sinnen. Aber es geht hier ja auch nicht um Bergs Oper, sondern um Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher». Von deren Aufführung durch die Wolf Trap Opera aus Washington DC erhalte das Ohr «bloß 40 Prozent des...
Eine «komponierte Interpretation» hat Hans Zender seine 1993 entstandene Version von Schuberts Liedzyklus «Winterreise» genannt. Es ist sein bekanntestes, meistaufgeführtes Werk, mit dem er auch Hörer außerhalb des Avantgarde-Zirkels erreicht. Es war nicht die erste Bearbeitung dieser «schauerlichen Lieder» (wie Schubert sie selbst bezeichnete), und es sollte auch...
Für manche wird er immer derjenige bleiben, der rabiat auf einen meuternden Zuschauer reagierte. Im Frühjahr 1982 war das, an der Bayerischen Staatsoper. Als der junge Mann den «Aida»-Applaus mit Buhs beschmutzte, eilte Nello Santi ins Parkett, um dem Störenfried eine Ohrfeige zu verabreichen. Der Hieb kostete den Dirigenten laut Gerichtsbeschluss 6000 Mark, nie...
