Alles nur Kino
Phänomenal! In Genf singt sich John Osborn als Raoul in «Les Huguenots» in die schmale Riege herausragender Meyerbeer-Tenöre – der Vergleich mit dem vor drei Jahren verstorbenen Nicolai Gedda ist nicht zu hoch gegriffen. Schon in der ersten Romanze gibt Osborn dem Affen Zucker und findet gleichzeitig himmlische Piani mit feinster Messa di voce. Über drei Stunden später stürzt er sich mit einer martialischen Cabaletta in den Kampf, ohne dass auch nur ein Hauch von Müdigkeit zu hören wäre.
Vor neun Jahren in Brüssel war der Tenor aus Sioux City noch die Zweitbesetzung für diese mörderische Rolle. Diesmal setzt er Maßstäbe, gerade auch in der nuancierten Sprachgestaltung, als wäre Französisch seine Muttersprache. Die Regie fokussiert auf die Karikatur eines tumben Landadligen, der durch sein Schicksal stolpert. Das ist in Scribes Libretto sehr deutlich angelegt, wird in Genf – mit Raouls zu großem Jackett – fast überzeichnet. Doch Osborn findet mit diesen Vorgaben zu einer sehr eindringlichen schauspielerischen Leistung.
Die Figur des Raoul gehört zu den wenigen überzeugenden Elementen in Jossi Wielers und Sergio Morabitos Inszenierung. Offensichtlich hat sich das Stuttgarter Tandem ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Anselm Gerhard
Eine «komponierte Interpretation» hat Hans Zender seine 1993 entstandene Version von Schuberts Liedzyklus «Winterreise» genannt. Es ist sein bekanntestes, meistaufgeführtes Werk, mit dem er auch Hörer außerhalb des Avantgarde-Zirkels erreicht. Es war nicht die erste Bearbeitung dieser «schauerlichen Lieder» (wie Schubert sie selbst bezeichnete), und es sollte auch...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats April 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Als sie anfing, war sie nicht einfach nur eine neue, unerhörte Stimme, sondern ein ganz neuer Typ Sängerin. Ein Wunderkind zunächst – ausgebildet, gefördert und stets begleitet von seinem Großvater –, das vom Berliner Schlager bis zum Koloraturfeuerwerk der Königin der Nacht alles konnte, was man von ihm verlangte. Anja Silja lernte das Singen in einem Alter, in...
