Der Empfindsame

Zum Achtzigsten des Wagner-Recken Siegfried Jerusalem

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Nur stillstehen, das sei nichts für ihn. Bewegen müsse er sich auf der Bühne, so sagte er einmal, aktiv und offensiv am Geschehen teilnehmen, dann sei er locker. Ungestümer als Ende der 1980er-Jahre ging es nicht: Da war Siegfried Jerusalem in der Partie seines Namensvetters eine der Stützen des so körperhaft-klugen Bayreuther Kupfer-«Rings». Eine astreine Wagner-Laufbahn hatte der gebürtige Oberhausener zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich, als Froh, Lohengrin oder Parsifal. Als Tristan bildete er später mit Waltraud Meier das Hügel-Traumpaar.

Und auch wenn phänotypisch alles stimmte, groß, blond, gutaussehend – ein Heldentenor war Jerusalem nie. Dafür fehlte ihm das Erz, das Metall, die natürliche Härtung des Materials. «Ich hatte das Bellen eben nicht gelernt.»

Andere Parameter zeichneten seinen Gesang aus, die Nuance, die Klangschönheit, das Fein­tuning. Jerusalem selbst führte das auf seine Sozialisierung im Orchester zurück. Als Fagottist lernte er unter Sergiu Celibidache in Stuttgart das kammermusikalische Ineinandergreifen der Stimmen, auch, welche Bedeutung Obertöne für die Tragfähigkeit haben. Das wollte er auf die Opernbühne mitnehmen. Es passte folglich, dass er ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel

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