Der Mann aus Märklin-Land
Vermutlich hatte der kleine Alfred Kirchner weder Ciceros Satz «Verus amicus est tamquam alter idem» (ein wahrer Freund ist quasi ein zweites Selbst), den Wikipedia für die Entstehung des Begriffs «Alter Ego» verantwortlich macht, im Sinn, und auch an Schuberts «Du Doppelgänger! du bleicher Geselle! Was äffst du nach mein Liebesleid» hat der Knirps wohl noch nicht gedacht, als er den «Mann von Pölarölara» – kurz «Pöla» – erfand. Vielmehr gehörte diese Figur der Welt seiner Märklin-Spielzeugeisenbahn an.
Auf jeden Fall wurde «Pöla» zum «anderen» Kirchner, hinter dem der wahre sich quasi versteckte, wenn es darum ging, Energien freizusetzen für die Bühne, deren künstlerische Richtung er etwa ab Mitte der 1960er-Jahre in der damaligen Bundesrepublik mit beeinflusste. Unter anderem als Assistent von Peter Zadek an Kurt Hübners Bremer Theater, dann auch als Direktoriumsmitglied bzw. Mitdirektor Claus Peymanns in Stuttgart, Bochum und Wien oder als am Berliner Schillertheater nicht unbedingt durch Eigenschuld Gescheiterter. Und nicht zuletzt als prägender Regisseur auch im Musiktheater, etwa des Bayreuther «Ring»-Zyklus der Jahre 1994 bis 1998.
Das Buch gibt sich als biografische ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
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