Drei Mal Leben
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante neue Denkansätze für das Riesen-Opus.
An Brüssels Théâtre La Monnaie hatte man nun etwas Ähnliches im Sinn mit Mozarts drei Da Ponte-Opern, die von jeher ästhetisch als Zyklus verstanden, aber noch nie wirklich aufeinander bezogen, geschweige denn miteinander vermischt wurden. Zuletzt brachten, man schrieb das Mozart-Jahr 2006, Jossi Wieler und Sergio Morabito die Trias in Amsterdam auf die Bühne; die Salzburger Festspiele griffen, ebenfalls zum Jubiläum, mit ihren zyklischen Aufführungen auf bereits vorhandene Inszenierungen zurück.
Die drei zentralen Mozart-Opern reizen natürlich aufgrund ihres so unverblümt zeitgenössischen, von den Umwälzungen auf der Schwelle vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter «sprechenden» Personals seit jeher zu gewissen Spekulationen: Deutet sich nicht im heftig pubertierenden Cherubino schon ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Regine Müller
Kaum ein Topos der Kulturgeschichte ist so sehr mit Assoziationen, Klischees und Vorurteilen überkrustet wie der der Femme fatale, der gefährlichen, verlockenden Schönen, die rigoros einzig sich selbst folgt, die Männer in den Untergang treibt, um ihnen wiederum zum Opfer zu fallen: Judith, Dalila, Carmen, Kundry, Salome, Lulu. Doch schon die Reihenfolge verweist...
Jubilare
Meriel Dickinson studierte 1958-63 Klavier und Gesang am Royal Manchester College of Music, anschließend an der Wiener Musikakademie, wo sie zwei Jahre späte ihr Diplom als Gesangslehrerin erwarb. Die vielseitige Mezzosopranistin begann ihre Laufbahn 1964 in London als Konzertsolistin, wobei sie sich vor allem der zeitgenössischen englischen Musik...
Phänomenal! In Genf singt sich John Osborn als Raoul in «Les Huguenots» in die schmale Riege herausragender Meyerbeer-Tenöre – der Vergleich mit dem vor drei Jahren verstorbenen Nicolai Gedda ist nicht zu hoch gegriffen. Schon in der ersten Romanze gibt Osborn dem Affen Zucker und findet gleichzeitig himmlische Piani mit feinster Messa di voce. Über drei Stunden...
