Drei Mal Leben
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante neue Denkansätze für das Riesen-Opus.
An Brüssels Théâtre La Monnaie hatte man nun etwas Ähnliches im Sinn mit Mozarts drei Da Ponte-Opern, die von jeher ästhetisch als Zyklus verstanden, aber noch nie wirklich aufeinander bezogen, geschweige denn miteinander vermischt wurden. Zuletzt brachten, man schrieb das Mozart-Jahr 2006, Jossi Wieler und Sergio Morabito die Trias in Amsterdam auf die Bühne; die Salzburger Festspiele griffen, ebenfalls zum Jubiläum, mit ihren zyklischen Aufführungen auf bereits vorhandene Inszenierungen zurück.
Die drei zentralen Mozart-Opern reizen natürlich aufgrund ihres so unverblümt zeitgenössischen, von den Umwälzungen auf der Schwelle vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter «sprechenden» Personals seit jeher zu gewissen Spekulationen: Deutet sich nicht im heftig pubertierenden Cherubino schon ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Regine Müller
Für eine bedeutende gesellschaftliche Schicht des ehemaligen k.u.k-Reichs lag nach 1918 nicht nur die Welt, sondern ihre Existenz ganz allgemein in Trümmern. Österreich war zu einem Rumpfstaat geworden, die Geldbeutel waren leer, die Ausrufung der Republik, das Aufstreben der Linken und die manifeste Emanzipation der Frauen hatten zu einer gesellschaftlichen...
Sie war anmutig wie eine Fee, sie hatte eine zauberhafte, überaus zarte, silbrige Stimme, sie bezauberte die Opernwelt mit ihrem engelsgleichen Gesang. Jacques Offenbach lag ihr zu Füßen, Iwan Turgenjew sandte Liebesbriefe, das betuchte Publikum verehrte sie, und wenn sie nur die Bühne betrat, ging ein Raunen durch den Saal, noch bevor sie überhaupt den ersten Ton...
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