Ein Italiener aus Brasilien

Neu belebt in Cagliari: Antônio Carlos Gomes’ Grand Opéra «Lo schiavo» aus dem Jahr 1889

Opernwelt - Logo

Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte. Gomes’ nachfolgende Werke «Fosca», «Salvator Rosa» und «Maria Tudor» festigten seinen Ruf in Italien, ohne ihm eine Ausnahmestellung zu sichern.

Dass er sich mit «Lo schiavo» wieder einem brasilianischen Sujet zuwandte, hatte auch politische Gründe: Der Komponist kämpfte für die Abschaffung der Sklaverei in seiner Heimat. Dieser Ansatz passte in Italien wohl nicht ins Opernkonzept, Bologna verzichtete auf die vorgesehene Premiere. Als das Werk, sechs Jahre zuvor in Angriff genommen, 1889 schließlich in Rio de Janeiro uraufgeführt wurde, war dort die Sklaverei gerade abgeschafft. Die nun fehlende politische Brisanz änderte aber nichts an der bis heute anhaltenden Popularität der Oper in Brasilien. Dort ist Gomes ein nationaler Heros, während er in der übrigen Welt fast in Vergessenheit geraten ist.

Die Handlung weist manche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Trash trifft Tradition

Auf dem Dach der gerade für 50 Millionen Euro sanierten Gemäldegalerie Alte Meister prangt jetzt eine Leuchtreklame: Aus pinkfarbenen Neonröhren wurden die Silhouetten der putzigen Putten nachgebildet, die man vom berühmtesten Bild der Dresdner Sammlung kennt, Raffaels «Sixtinischer Madonna». Darauf die zwei Engelchen lässig am unteren Bildrand lümmeln.

Die...

Die Einsame und der Elefant

Ein sympathisches Lachen, eine fesche Frau: Die französische Operndiva Denise Duval, auch privat kein Kind von Traurigkeit, wurde die Muse eines Mannes, dessen Faible es angeblich war, splitternackt herumzutollen und sich dabei «wohlzufühlen, als würde er eine Mönchskutte tragen». So beschrieb Jean Cocteau den Komponisten Francis Poulenc. Ihn verband eine enge,...

Die lyrische Mitte

«Über Gesangstechnik konnte man wunderbar mit Mirella Freni sprechen. Da war sie ganz bei sich, wirkte wie beflügelt. Sie erzählte, wie sie ihre Naturstimme erst im Laufe der Jahre wirklich kennengelernt habe, wie sie dieses Instrument im Körper nach und nach erforschte. Ton für Ton und Phrase für Phrase einer Partie müsse man langsam und sorgsam erarbeiten,...