Ein Italiener aus Brasilien
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte. Gomes’ nachfolgende Werke «Fosca», «Salvator Rosa» und «Maria Tudor» festigten seinen Ruf in Italien, ohne ihm eine Ausnahmestellung zu sichern.
Dass er sich mit «Lo schiavo» wieder einem brasilianischen Sujet zuwandte, hatte auch politische Gründe: Der Komponist kämpfte für die Abschaffung der Sklaverei in seiner Heimat. Dieser Ansatz passte in Italien wohl nicht ins Opernkonzept, Bologna verzichtete auf die vorgesehene Premiere. Als das Werk, sechs Jahre zuvor in Angriff genommen, 1889 schließlich in Rio de Janeiro uraufgeführt wurde, war dort die Sklaverei gerade abgeschafft. Die nun fehlende politische Brisanz änderte aber nichts an der bis heute anhaltenden Popularität der Oper in Brasilien. Dort ist Gomes ein nationaler Heros, während er in der übrigen Welt fast in Vergessenheit geraten ist.
Die Handlung weist manche ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Ekkehard Pluta
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