Wie Demokratie endet
Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine greise Frau mit Jagdflinte, eine herrische Dame in Giftgrün, ein nervöser blaukarierter Herr, ein Mephisto in bösartig roter Lederjacke, ein glatzköpfiges pinkfarbenes Mannmonster, ein schwarzweißer, irrer Vampir.
Kein Wort, nichts geschieht. Bühnenbildner Ersan Mondtag und Kostümbildnerin Teresa Vergho stellen ihre Einfälle aus.
Das Bühnenbild als eigenständiges Werk, als optischer Dauerimpuls, als Grundierung, nicht als Spielraum für sprachlich vorangetriebene Handlung, sondern als permanentes Gegenbild zu dem, was vor ihm, in ihm verhandelt wird. Überdeutlichkeit mit Mehrdeutigkeit kombinierend, ein schauerromantischer Überwältigungsgestus, so sind Mondtags Bühnenbilder immer, oder wollen so sein.
Damit ist aber auch der beste Teil des Abends vorbei. Was folgt, ist grellfarbige Bebilderung einer Familien-Saga vor ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Gerhard Preußer
Figuren
im
ÖFFENTLICHEN RAUM
darunter:
FRATZER
ORLANDO
PRÄZISA
und
DIE WEHR
Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an. Die WEHR kann stets von verschiedenen Spielerinnen und Spielern oder Gruppen übernommen werden. Das Sprech- und Anschlusstempo sollte möglichst hoch sein.
Man erzähle mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames. Man komme...
Zweieinhalb Zimmer, Küche, Bad. Das macht 46 Quadratmeter. In der Platte. Im Großen Dreesch am Stadtrand von Schwerin. Ab 1971 als DDR-Vorzeigewohngebiet geplant und gebaut, im Grünen und am See, ist das Viertel längst zum Brennpunkt geworden. 62.000 Menschen belebten Ende der 80er Jahre noch den Dreesch, das am schönsten gelegene Neubaugebiet Ostdeutschlands,...
Psychiater Dr. Firs bringt nichts so schnell aus der Ruhe. In der Verkörperung des Schauspielers Gottfried Breitfuß strahlt er eine gewisse Gemütlichkeit aus; man stellt ihn sich nach Dienstschluss am Kaminfeuer vor, ein Glas Rotwein in Reichweite und einen Band Tschechow auf den Knien. Seine Privatklinik ist in einer Fin-de-siècle-Villa untergebracht, elegante...
