Wie Demokratie endet
Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine greise Frau mit Jagdflinte, eine herrische Dame in Giftgrün, ein nervöser blaukarierter Herr, ein Mephisto in bösartig roter Lederjacke, ein glatzköpfiges pinkfarbenes Mannmonster, ein schwarzweißer, irrer Vampir.
Kein Wort, nichts geschieht. Bühnenbildner Ersan Mondtag und Kostümbildnerin Teresa Vergho stellen ihre Einfälle aus.
Das Bühnenbild als eigenständiges Werk, als optischer Dauerimpuls, als Grundierung, nicht als Spielraum für sprachlich vorangetriebene Handlung, sondern als permanentes Gegenbild zu dem, was vor ihm, in ihm verhandelt wird. Überdeutlichkeit mit Mehrdeutigkeit kombinierend, ein schauerromantischer Überwältigungsgestus, so sind Mondtags Bühnenbilder immer, oder wollen so sein.
Damit ist aber auch der beste Teil des Abends vorbei. Was folgt, ist grellfarbige Bebilderung einer Familien-Saga vor ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Gerhard Preußer
Das Leiden an sich selbst gehört zu den Lieblingsdisziplinen von Wohlstandsgesellschaften. Wo objektiv die meisten materiellen Bedürfnisse übererfüllt sind, entstehen andere, diffuse Defizite, Zweifel an der eigenen Konsumtauglichkeit, Unlust, sich der Kontrolle und dem Konformitätsdruck der Außenwelt auszuliefern, oder es lauert schlicht die Angst, dass es ohnehin...
Figuren
im
ÖFFENTLICHEN RAUM
darunter:
FRATZER
ORLANDO
PRÄZISA
und
DIE WEHR
Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an. Die WEHR kann stets von verschiedenen Spielerinnen und Spielern oder Gruppen übernommen werden. Das Sprech- und Anschlusstempo sollte möglichst hoch sein.
Man erzähle mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames. Man komme...
Die drei Künstlerfiguren, um die herum sich nacheinander die Kulturkämpfe von Thomas Melles «Ode» entfalten, sind eines schon mal nicht oder zumindest nicht in reinster Form: weiße, heterosexuelle Normalmänner aus dem Bürgertum. Die Konzeptkünstlerin und Direktorin der Kunstakademie Anne Fratzer, die die Öffentlichkeit mit einer unsichtbaren Luft-Skulptur unter...
