Wie Demokratie endet
Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine greise Frau mit Jagdflinte, eine herrische Dame in Giftgrün, ein nervöser blaukarierter Herr, ein Mephisto in bösartig roter Lederjacke, ein glatzköpfiges pinkfarbenes Mannmonster, ein schwarzweißer, irrer Vampir.
Kein Wort, nichts geschieht. Bühnenbildner Ersan Mondtag und Kostümbildnerin Teresa Vergho stellen ihre Einfälle aus.
Das Bühnenbild als eigenständiges Werk, als optischer Dauerimpuls, als Grundierung, nicht als Spielraum für sprachlich vorangetriebene Handlung, sondern als permanentes Gegenbild zu dem, was vor ihm, in ihm verhandelt wird. Überdeutlichkeit mit Mehrdeutigkeit kombinierend, ein schauerromantischer Überwältigungsgestus, so sind Mondtags Bühnenbilder immer, oder wollen so sein.
Damit ist aber auch der beste Teil des Abends vorbei. Was folgt, ist grellfarbige Bebilderung einer Familien-Saga vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Gerhard Preußer
Es gibt in Wien eine wenig schmeichelhafte Zuschreibung, die in der Szene jeder kennt: Am Burgtheater arbeitet man, am Volkstheater macht man Pausen und hält die Tarifverträge ein. Das chronisch unterdotierte und personell unterbesetzte Volkstheater ist das Sorgenkind der ansonsten reichen Theaterstadt: Es gleicht von der Architektur und Größe dem Hamburger...
Seit die neue flämische Regierung am 8. November eine weitere Runde von Kürzungen der Kunst- und Theatersubventionen angekündigt hat, überschwemmt eine beeindruckende Protestwelle die Meinungsseiten und den Eingang des Parlaments. Bei dieser Konfrontation unterscheiden sich zwei Strategien von den Vorjahren: die Solidarität der Künstler mit anderen betroffenen...
Am letzten Abend ihres vierwöchigen Versuchs, die Welt handelnd neu zu denken, öffneten Stefanie Wenner und Thorsten Eibeler von apparatus noch einmal die Pforten des Heizhauses in den Berliner Uferstudios. Kein reiner Zufall, dass sich das Projekt «Ferment:Mutterkorn» gerade hier ereignete, wo früher fossile Energie erzeugt wurde. Jetzt ging es um nachhaltigere...
