«Die japanische Gesellschaft braucht keine kritische Form des Theaters»
Klaus Dermutz Herr Takayama, Ihr «Wagner Project» lässt die Hierarchie des klassischen Opernbetriebs hinter sich. Wie entstand die Idee, Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» mit Hiphop zu kombinieren?
Akira Takayama Wir bilden eine neue Gemeinschaft, sehr gemischt und divers, die sonst nie in dieses Theater kommt. Entsteht im Künstlerhaus Mousonturm eine andere Gemeinschaft, ist es für mich ein Erfolg. In Yokohama, Japans zweitgrößter Stadt, haben wir davor schon das «Wagner Project» realisiert.
Wir zitierten die «Meistersinger von Nürnberg» gegen die Olympiade 2020. Es interessiert mich nicht, etwas Schönes fürs Theaterpublikum auf die Bühne zu stellen. Die Theater werden nicht mehr lange existieren, sie können keine gesellschaftliche Funktion mehr erfüllen.
Dermutz Verschwindet das etablierte Theater in Japan? Hat das Kabuki-Theater eine ähnliche Bedeutung wie die Wagner-Opern für Bayreuth?
Takayama Kabuki- und No-Theater werden weiter einen Wert als Kulturgut haben, aber nicht für die zeitgenössische Kunst. Traditionelle Theater bekommen sehr viel staatliche Förderung, sie werben für Japan nach außen, sind für Ausländer oder den Tourismus sehr geeignet. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2020
Rubrik: International, Seite 44
von Klaus Dermutz
Der Captain hat sich in einer Bude aus Kissen verschanzt und liest, während die MS Futuro durch die unendlichen Weiten des Weltraums gleitet. Data Luv erklärt die Gemeinschaft der Zukunft, in der alle machen, was sie am besten können:
Eine*r macht Aufstrich für alle. Zwei schrubben das Deck. Und der Nächste bereitet einen Tanzworkshop vor. Und wenn der Captain...
In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...
Aufführungen
In Basel widmet sich Stefan Bachmann dem Amoklauf eines Staatsanwalts zwischen Befreiungsheld und Despotie: «Graf Öderland». Bei Michael Thalheimer im Berliner Ensemble laufen dagegen die «Gastarbeiter»-Feindbilder des Wirtschaftswunders Amok: Rainer Werner Fassbinders «Katzelmacher». Nebenan im Maxim Gorki will Christian Weise mit Shakespeares...
