Ohne falsche Weiblichkeit

Franz und Paul von Schönthan «Der Raub der Sabinerinnen» am Akademietheater Wien

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In den Bühnenschwänken ist die Welt noch in Ordnung – und gleichzeitig völlig aus den Fugen. Sie «handeln vom Konflikt zwischen den Normen bürgerlichen Wohlverhaltens und der heimlichen Neigung, gegen sie zu verstoßen», heißt es im Programmheft zu «Der Raub der Sabinerinnen» am Wiener Akademietheater. Konkret bedeutet das aber leider oft: Anarchie, ja – gleichzeitig völlig veraltete Geschlechterrollen.

Im «Der Raub der Sabinerinnen» von Franz und Paul von Schönthan, 1883 uraufgeführt, spielt die Libido überraschenderweise eine Nebenrolle.

Der Witz an dem Stoff: Der Gymnasialprofessor Jörg Gollwitz geht gar nicht fremd, sondern ins Theater. Er betrügt seine Frau, die gerade am Wolfgangsee Sommerfrische macht, damit, dass er eine Jugendsünde von einem Stück von einer herumziehenden Schmierentheatertruppe aufführen lässt. Deren lukratives Geschäftsmodell ist es, angesehenen Dorfmitgliedern ihre lite -rarischen Peinlichkeiten zu entlocken und auf die Bühne zu bringen. Schließlich möchte jeder im Dorf miterleben, wie sich Honoratioren blamieren.

Regisseurin Anita Vulesica lässt den Abend mit einer Katastrophe beginnen. Das Publikum hat dermaßen gegen die Römertragödie «Der Raub der ...

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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Karin Cerny

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