Wege der Wut
Rage und Respekt – ganz deutsch geschrieben, das ist das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele Recklinghausen, wo man doch «rage and respect» als Rapper-Slogan besser kennt. Dort heißt es: Wut auf diejenigen, die einen nicht achten, oder: wütend Achtung einfordern. Der entflammte Zorn aber achtet gerade nicht das Gegenüber. Wut und Achtung hängen auf unterschiedliche Weise zusammen und streiten oft gegeneinander. Tatsächlich falten die drei ersten Gastspiele im Festspielhaus von Recklinghausen die Bandbreite der Konstellationen zwischen Respekt und Rage auf.
Den Anfang macht Anne Weber. In ihrer eindringlich und schnörkellos formulierten Rede führt sie uns das Zickzack der Gedanken vor, das mit viel geringerer Klarheit die Gehirne von vielen durchzuckt. Einerseits die Empörung über die Verhältnisse, in denen wir leben, an denen wir aber nicht schuld sind, die Empörung über die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Andererseits die Verantwortung des Einzelnen als Teil eben dieser Verhältnisse. Gegen die Empörung nach außen (in deutlichem Bezug zu Stéphane Hessels Essay «Empört euch!», auf den sich viele Protestaktionen in Frankreich seit 2010 berufen) stellt sie die Empörung nach ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Festivals, Seite 25
von Gerhard Preußer
Zu dritt stehen sie zu Beginn auf der Bühne, in schwarzen Smokings, Fliege und weißen Hemden wie aus dem Ei gepellt: Der hochgewachsene Stefan Hunstein mit langem, strähnigem Haar, der vergleichsweise zarte Jens Harzer mit graumeliertem Wuschelkopf, und Marina Galic, die wie ein junger Mann etwas linkisch unter der schwarzen Tolle hervorlugt. Eine Band, eine...
Darauf muss man erst mal kommen: Die Penthesileas von heute, das könnten doch die Kardashians sein! Eine steile These, aber eine, die auch einiges für sich hat, wie Mateja Meded und Thomas Köck in ihrem Stück «Keeping up with the Penthesileas» zeigen. Am Theater Neumarkt in Zürich haben sie es gemeinsam auf die Bühne gebracht; dort schlüpft Mateja Meded gleich...
Es existieren ganze Bibliotheken mit schönen, klugen Sätzen darüber, was die darstellenden, performativen Künste uns sein könn(t)en, und es gibt weitere mit Analysen dazu, wie es unter den Bedingungen kapitalistischer Aneignung aller Werte zur Ware in der Regel bei den schönen, klugen Sätzen bleibt und auch diese Künste eben doch Zwecken dienen, für die die...
