Chorstück ohne Chor

Alexandra Koch «oder der stillste Tag» (U) am Landestheater St. Pölten

Theater heute - Logo

Das vom Land Niederösterreich alle zwei Jahre ausgeschriebene Peter-Turrini-Dramatiker*innenstipendium ist mit einer Uraufführung im Landestheater von St. Pölten verbunden. Als Spielort ist dafür die Studiobühne (hier «Theaterwerkstatt» genannt) vorgesehen, was diesmal zu einer echten Herausforderung hätte werden können: Die aktuelle Stipendiatin Alexandra Koch hat nämlich ein Stück für einen dreißigköpfigen Frauenchor geschrieben.

Das Landestheater hat die Herausforderung allerdings nicht wirklich angenommen; damit das Stück auf die kleine Bühne passt, wurde der Chor radikal auf jene drei Frauen reduziert, die im Text namentlich genannt werden.

Hanne (Tobias Artner), Rosa (Caroline Baas) und Salli (Katharina Rose) sind ältere Frauen, die unter unklaren Umständen die Kinder der Nachbarschaft gekidnappt haben. Jedenfalls spricht die diensthabende Beamtin (Doris Hindinger) im Verhör von Entführung; die Alten hingegen beteuern, die Kinder seien freiwillig mitgegangen. Und überhaupt: Hätten die «Balkonmütter» besser auf ihre im Hof spielenden Kleinen aufgepasst, wäre das nie passiert. Ohne Kinder war es auf einmal ganz still in der Wohnanlage, daher der Titel. «oder der stillste Tag» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Der gefallene Engel

Mit Helmut Berger, der nur kurz vor seinem 79. Geburtstag in Salzburg gestorben ist, hatte ich vor etlichen Jahren einmal einen Abend und eine halbe Nacht verbracht. Nicht allein. Vielmehr mit einer unverhofften, alsbald unheimlichen Gesellschaft – im Schatten, im Zwielicht der italienischen Mafia. Davon später noch. Merkwürdig. Man stellt sich den einstigen...

Wege der Wut

Rage und Respekt – ganz deutsch geschrieben, das ist das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele Recklinghausen, wo man doch «rage and respect» als Rapper-Slogan besser kennt. Dort heißt es: Wut auf diejenigen, die einen nicht achten, oder: wütend Achtung einfordern. Der entflammte Zorn aber achtet gerade nicht das Gegenüber. Wut und Achtung hängen auf...

Out of the Homeland

Die Schauspielerin in der Mitte des Platzes vor dem ehemaligen Kino der US-Streitkräfte wurde wohl direkt von einem Schlachtfeld des American War of Independence eingeflogen. Dass sie unzufrieden ist und inmitten einer Traube von Zuschauer:innen mit ihrem Job hadert, könnte damit zusammenhängen, dass sie wie einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten gekleidet...