Kassel: Wer weiß?
Von dieser Welt sind sie wohl nicht: Die vier Personen, die die Bühne bevölkern – sie sind derart grün im Gesicht und an den sichtbaren Extremitäten, als wären sie schon ein paar Mal gestorben. Zwei Männer in Weiß, Mediziner womöglich oder forschende Wissenschaftler, kommen Familie Grün besuchen – und gehen schließlich verschütt in den Labyrinthen und dunklen Ecken dieses rätselhaften Raumes. Die Fabel ist schmal, der Text überschaubar – Wilke Weermann ist vor allem an atmosphärischer Beschwörung interessiert.
Der Titel «I am Providence» ist die Grab-Inschrift des amerikanischen Schriftstellers H.P. Lovecraft – sie markiert als Echoraum der Aufführung dessen abgründig finstre Grusel-Fantasien. Wer sich auf die Suche macht nach unausweichlichem Schrecken, wer dystopische Alpträume erkunden will in der Literatur, der kommt an dem grenzgängerischen Denker aus Providence im US-Bundesstaat New Jersey nicht vorbei; stilbildend wurde der schon 1937 verstorbene Autor für Generationen von Adepten, die ganz grundsätzlich die dunklen Seiten menschlich-unmenschlicher Fantasien erkundeten. Lovecrafts Leben und Werk lagen in immerwährendem Widerspruch, Wahn und Vision sind weithin ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Michael Laages
Die letzten zweieinhalb Wochen, länger als die gesamte Dauer des chinesischen Frühlingsfestes, habe ich bei meinen Eltern in Changzhou 180 km westlich von Shanghai verbracht. Kurz nachdem ich ankam, am 23. Januar, wurde aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Quarantäne über Wuhan verhängt und angekündigt, dass landesweit keine Feierlichkeiten im öffentlichen Raum...
Vergangenen Oktober, anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolution, erzählte Alexander Weigel noch einmal, wie es zur legendären «Hamlet/Maschine» von Heiner Müller im Deutschen Theater kam, die er als Dramaturg begleitet hatte. Wie die im Januar 1988 herausgekommene Inszenierung «Der Lohndrücker» zwar das «Publikum einigermaßen frappiert» hatte...
Aufführungen
Der Schweizer Schriftsteller, Grafiker und Aktionskünstler Dieter Roth hat schon Herbert Fritsch zu «Murmel, Murmel» inspiriert, jetzt setzt Christoph Marthaler in Zürich nach mit «Das Weinen (Das Wähnen)». Herbert Fritsch seinerseits tut sich in Bochum mit einem anderen Herbert zusammen, dem Bochumer Ex-Schauspieler und Musiker H. Grönemeyer:...
