Kassel: Wer weiß?
Von dieser Welt sind sie wohl nicht: Die vier Personen, die die Bühne bevölkern – sie sind derart grün im Gesicht und an den sichtbaren Extremitäten, als wären sie schon ein paar Mal gestorben. Zwei Männer in Weiß, Mediziner womöglich oder forschende Wissenschaftler, kommen Familie Grün besuchen – und gehen schließlich verschütt in den Labyrinthen und dunklen Ecken dieses rätselhaften Raumes. Die Fabel ist schmal, der Text überschaubar – Wilke Weermann ist vor allem an atmosphärischer Beschwörung interessiert.
Der Titel «I am Providence» ist die Grab-Inschrift des amerikanischen Schriftstellers H.P. Lovecraft – sie markiert als Echoraum der Aufführung dessen abgründig finstre Grusel-Fantasien. Wer sich auf die Suche macht nach unausweichlichem Schrecken, wer dystopische Alpträume erkunden will in der Literatur, der kommt an dem grenzgängerischen Denker aus Providence im US-Bundesstaat New Jersey nicht vorbei; stilbildend wurde der schon 1937 verstorbene Autor für Generationen von Adepten, die ganz grundsätzlich die dunklen Seiten menschlich-unmenschlicher Fantasien erkundeten. Lovecrafts Leben und Werk lagen in immerwährendem Widerspruch, Wahn und Vision sind weithin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Michael Laages
Drei Mal hebt Caren Jeß zur Vorstellung ihres Theaterstücks «Bookpink» an. Beim vierten Mal schließlich klappt es, und die Autorin zählt fokussiert, ja feurig in die Kamera auf: «Wenn ich in drei Worten beschreiben sollte, worum es in ‹Bookpink› geht, dann würde ich sagen: Chancenungleichheit, Religion, Konstruktivismus, Esoterik, Exotismus, eine komplizierte...
Was für eine Saison, die an aufregenden, mutigen, wichtigen Theatertexten geradezu überquillt! Unter einigen Verlustqualen hat die Jury der Mülheimer Theatertage acht ausgewählt, in denen es um so Grundlegendes wie Frauen, Männer, Vögel, Familie, Deutschland, künstliche Intelligenz, Freiheit der Kunst und das Finanzamt geht:
Sivan Ben Yishai «LIEBE/Eine...
Alle drei Jahre lädt das Festival Theater der Welt in eine andere deutsche Stadt oder Region. Jetzt ist Düsseldorf an der Reihe: ein Gespräch mit den Machern Stefan Schmidtke (Foto) und Wilfried Schulz
Julia Riedler kam von der Schauspielschule im letzten Studienjahr direkt ans Hamburger Schauspielhaus, dann ans Schauspiel Köln und ist seit Beginn der Intendanz...
