Kulturpolitik: Arme Seele

Der Finanzskandal am Burgtheater endete mit einem Schuldspruch für die frühere Geschäftsführerin

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Anfang Januar 2014 platzte am Wiener Burgtheater eine Bombe: Es wurde bekannt, dass die frühere kaufmännische Direktorin Silvia Stantejsky bereits im November 2013 fristlos entlassen worden war. Begründet wurde das mit bei einer Betriebsprüfung aufgetretenen «Ungereimtheiten», in der Bilanz des Burgtheaters klaffe ein mehrere Millionen tiefes Loch (der Schuldenstand betrug mehr als 20 Millionen, wie sich später herausstellen sollte). Im März 2014 musste deswegen auch der künstlerische Direktor Matthias Hartmann gehen. Seit damals waren die Gerichte mit dem Fall beschäftigt.

Einerseits fochten sowohl Hartmann als auch Stantejsky ihre Entlassung vor dem Arbeitsgericht an; andererseits ermittelte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen beide. 

Nachdem die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Hartmann im November 2018 eingestellt worden waren, verwandelte das Burgtheater die fristlose Entlassung in eine einvernehmliche Trennung und einigte sich auf einen Vergleich mit dem früheren Intendanten. Stantejsky aber wurde wegen Untreue, Veruntreuung und Bilanzfälschung am Landesgericht Wien der Prozess gemacht. Dieser endete am 27. Januar 2020, mehr als sechs Jahre nach ...

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Theater heute März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wolfgang Kralicek

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