Basel: Der Geist, der stets zerstört

Bärfuß nach Stendhal «Julien», Thiemo Strutzenberger «Wiederauferstehung der Vögel»

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Julien stürzt hart. Blutig der Schädel und das Hemd, so findet der Abbé den Burschen am Boden. Juliens Vater hat wieder zugeschlagen. Mit dem ­Buchrücken, den er Julien entriss, weil ein Brettersägersohn seiner Ansicht nach keine Flausen im Hirn braucht, sondern Schwielen an den Händen. Weil aber der Abbé ein Herz für kluge Köpfe hat, rafft er dieses Bündel verstoßene Jugend zu einem Menschen zusammen. Verschafft ihm die Hauslehrerstelle beim Bürgermeister.

Und Julien? Der wird lernen, so brutal zu denken, so hart zu handeln, wie er gestürzt ist.

Sein sagenhaftes Gedächtnis, gepaart mit heimlicher Bewunderung für einen verfemten Hasardeur wie Napoleon Bonaparte, beschleunigt seinen Aufstieg. Dieser junge Mann nutzt jede Leiter. Sein blasses Wesen tarnt ihn dabei perfekt. Er geht aufs Ganze. Immer. 

Wir sind hier bei Lukas Bärfuß, der auf allen literarischen Kanälen endgültig als einer der gewichtigsten Schweizer Autoren wahrgenommen wird. Und wir sitzen im Schauspielhaus Basel, das auftragsgemäß «Julien» uraufführt, die von Bärfuß sauber adaptierte Theaterfassung des Romans «Rot und Schwarz». Das heißt: tiefstes 19. Jahrhundert, opulente Jacquardmuster an Wänden und Körpern, ...

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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Stephan Reuter

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