Hier ist nur sicher, dass nichts sicher ist
Sie ist schon da, als sich die Türen des Zuschauerraums öffnen. Sie streift, während das Publikum jetzt langsam hereinkommt, an der Rückwand des leeren Bühnenhauses entlang, sie streift hin und her, kaum zu erkennen im Halbdunkel, scheinbar ruhelos – und doch hochkonzentriert. An den hohen Wänden verlaufene schwarz-graue Tusche, irgendwo auf der Bühne ein Haufen Steine, eine Schubkarre, am Rand eine tote Kuh.
Sie ist schon da – und anders kann es auch gar nicht sein, denn wie sollte sie diese Welt betreten, durch welche Tür «auftreten», «hereinkommen», um den Abend zu beginnen, die Vorstellung, die jetzt gleich anfangen soll, als wer oder als was? Das ist eine keineswegs einfache Frage, das ist eine Frage, die nicht zu beantworten wäre, und an der man, auch wenn es nun scheinbar keinen «Auftritt» geben wird, trotzdem nicht vorbeikommt, denn die Frage nach dem «Wer bin ich?» stellt das Theater auf unterschiedlichen Ebenen die ganze Zeit.
Genauso wäre allerdings auch nicht zu beantworten, wer da jetzt auf der anderen Seite des Bühnenportals zu den Türen des Zuschauerraums hereinströmt, 1083 Plätze hat das Deutsche Schauspielhaus Hamburg an diesem Abend, hier treffen sehr viele ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 6
von Roland Schimmelpfennig
Wien – heute – Zweitausenddreiundzwanzig. Arad Dabiris im Rahmen der Wiener Wortstätten entstandenes Stück kreist um einen konkreten Fall, der grundlegende Fragen aufwirft: Im Mittelpunkt steht ein junger Österreicher iranischer Abstammung, der – und das gehört zu den smarten Setzungen der Konzeption – auf der Bühne nicht selbst das Wort ergreifen kann. Denn er...
Früher bedeckten mich meine Triggerpunkte wie eine zweite Haut. Man hätte sie benutzen können, um einen hochauflösenden Wut-Avatar von mir zu erstellen und auf den Cyberspace loszulassen. Virtuelle Verwüstung wäre garantiert gewesen. Mit kleinen Abstrichen galt das auch im richtigen Leben, und wenn ich richtiges Leben sage, meine ich natürlich die Kunst.
Im Theater...
Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.
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