Schön war die Zeit
Früher bedeckten mich meine Triggerpunkte wie eine zweite Haut. Man hätte sie benutzen können, um einen hochauflösenden Wut-Avatar von mir zu erstellen und auf den Cyberspace loszulassen. Virtuelle Verwüstung wäre garantiert gewesen. Mit kleinen Abstrichen galt das auch im richtigen Leben, und wenn ich richtiges Leben sage, meine ich natürlich die Kunst.
Im Theater setzten sich die Leute von mir weg, weil sie mein ärgerliches Gemurmel während der Vorstellungen nicht mehr ertragen konnten, wenn zum Beispiel Ulrich stammelnd den Getriebenen gab oder Lars sich im Spiegellabyrinth seines Neunzigerjahre -Humors vervielfältigte oder August aus seinen eigenen Angeberschachtelsätzen nicht mehr herausfand. Meine Wut sprang verlässlich an, wenn nicht mehr ganz frische Mackertypen öffentlich Momente erlebten, in denen sie sich unglaublich genial fanden. Denn dann er -kannte ich mich selbst in ihnen und hasste sie dafür.
Heute denke ich neidisch über mein früheres Ich: Deine Trigger will ich haben! Wo damals Wut war, ist heute Hilflosigkeit. Neulich sagte sehr unvermittelt ein lieb gewonnener Arbeitskollege zu mir: «German newspapers kill.» Als leidenschaftlicher Zeitungsleser wunderte ich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 92
von Veit Sprenger
So etwas gab es noch nie: Unglaubliche 26 Kritiker:innen - über die Hälfte der Teilnehmer:innen – haben Lina Beckmann zur Schauspielerin des Jahres gewählt! Diese überwältigende Mehrheit erspielte sich Beckmann in ihrem fulminanten Solo als Erzählerin, Sphinx, Laios, Chrysippos, Iokaste, Pythia, thebanischer Bürgerchor und Ödipus in «Laios». Der zweite Teil von...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 65. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Katja Podzimski
Gestaltung
Christian Henjes
Redaktionsanschrift
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax 030/25...
Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.
Jacob McNeal entspringt der Fantasie des Autors Ayad Akhtar, der ihn uns...
