Wahrheit und Lüge
Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.
Jacob McNeal entspringt der Fantasie des Autors Ayad Akhtar, der ihn uns als berühmten US-amerikanischen Schriftsteller Ende 60 vorstellt, ein kluges und durchaus charmantes Arschloch mit einem Alkoholproblem, ein Romantiker mit Charisma, eine ehrliche Haut, ein gebildeter, belesener Mensch mit ein bisschen ungehobelten Manieren. Als Jugendlicher hat McNeal auf dem Ölfeldern in Texas geschuftet und sich im Laufe des Lebens seine Bildung, seine Sprachmacht und seinen Erfolg hart erarbeitet. Ohne Rücksicht auf Verluste hat er sich, seine Beziehungen und seine Gesundheit an die Kunst verschwendet. Sein Erfolg und die Ahnenreihe großer Autoren, in die er sich gerne einreihen möchte, geben ihm recht.
Doch jedes Jahr im Oktober hat Jacob McNeal eine schwere Zeit. Im Oktober hat sich vor Jahren seine Ex-Frau umgebracht, wofür er sich diffus mitschuldig fühlt, und jedes Jahr im Oktober verkündet die ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Karla Mäder
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