Film: Jessas
Jesus stammt aus Kamerun. Seine Jünger sind Erntearbeiter*innen und Politaktivist*innen, die in Süditalien gegen Ausbeutung, Korruption, rassistische Diskriminierung und Zwangsprostitution kämpfen. Milo Raus Film «Das neue Evangelium» verbindet politischen Aktivismus und Bibel-Überschreibung (s. TH 10/19). Szenen aus den Dreharbeiten, Dokumentation und Passionsgeschichte verschwimmen – und damit auch gelungene und zweifelhafte Anteile des Gesamtkunstevents.
Der Part der politischen Praxis funktioniert, weil mit Yvan Sagnet ein kampferprobter Aktivist, Gewerkschafter und Autor nicht nur die Hauptrolle als Jesus übernommen hat. Er leitet auch die politische Kampagne, die sich parallel zu den Filmarbeiten entwickelt. Sagnet stammt aus Kamerun, er kam 2007 zum Ingenieursstudium nach Turin. Als er 2011 in Geldnot war, ging er zur Tomatenernte nach Nardò, Apulien. Hier lernte er eine Welt der Ausbeutung, Armut und Sklaverei mitten in Italien kennen. Mit den Arbeiter*innen organisierte er einen Streik, was Lebensgefahr bedeutete, denn die Mafia kontrolliert hier die Landwirtschaft. Dennoch gelang es, Öffentlichkeit zu schaffen, erste Landwirte vor Ort führten Verträge und Mindestlohn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Cornelia Fiedler
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
Vor einem Jahr sagte Björn Bicker anlässlich der Bochumer Uraufführung seiner «Lehrer*innen» in einem Interview: «Ich führe Gespräche, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen.» Jetzt, da Bickers...
Das Tal des Todesschattens, der über diesem Abend im Gorki Theater liegt, ist blendend weiß. Vier alarmbewehrte Stufen führen zum Spielfeld, das ein Vorfeld ist. Dahinter, versteckt hinter weißen Schnüren, liegt verschwommen eine Intensivstation, aus der Beatmungsgeräusche dringen (Bühne: Magda Willi). Wir sind im aerosolgesicherten Corona-Theater, und sein Hüter...
