Revolte, Revolte

Am Münchner Residenztheater inszeniert Sebastian Baumgarten «Dantons Tod» von Georg Büchner, Alexander Eisenach adaptiert Oskar Maria Grafs Roman «Einer gegen alle» und Milos Lolic bringt die Uraufführung von Thiemo Strutzenbergers «Der Preis des Menschen» heraus

Theater heute - Logo

Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Re­sidenztheaters Anfang November nur noch vor 50 Zuschauern stattfinden, drei Tage vor dem erneuten Lockdown.

Im Parkett fühlt man sich daher wie auf der Fotoprobe, ein Kameramann hat sich in der zweiten Reihe postiert, dahinter schütter verteilt eine Handvoll Besucher.

Immerhin ergibt das Rot der unbesetzten Sitze einen schönen Kontrast mit der schlingpflanzengrünen Projektion auf der Bühne und dem blau gemalten «Nachthimmel» von Fred Thieler über dem Zuschauerraum. Dazu pfeift und fiept es anfangs wie im tiefsten Dschungel (Sounddesign: Christoph Clöser), als wäre die Natur längst dabei, die aufgegebene Kulturstätte zurückzuerobern. Optisch wuchert dicker Efeu über eine Plattenbaufassade mit leeren Fensterhöhlen knapp hinter dem Portal, auf der noch blass der Schriftzug «Banque Nationale» zu erkennen ist.

In Baumgartens historisch-reflektierender ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Mannheim Nationaltheater: Die Würde würde gern ...

Vor einem Jahr sagte Björn Bicker anlässlich der Bochumer Uraufführung seiner «Lehrer*innen» in einem Interview: «Ich führe Gespräche, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen.» Jetzt, da Bickers...

Salzburg Landestheater (ORF-Landesstudio): Neueste Nachrichten von 1976

Dass der prominente englische Dramatiker und Drehbuchautor Lee Hall («The Pitmen Painters», «Billy Elliot») als Autor des Stücks «Network» firmiert, mutet seltsam an. Hall hat Sidney Lumets Film aus dem Jahr 1976 bloß für die Bühne adap­tiert, ohne am Oscar-prämierten Drehbuch von Paddy Chayefsky groß etwas zu ändern. Zumindest in unseren Breiten wäre das ein Fall...

Alles für die Fische

Angst im Theater? Kein Genre scheint so ungeeignet für die Bühne wie der Horror. Brutaler Realismus funktioniert selten, weil ohnehin klar ist, dass die Akteure am Ende putzmunter zum Applaus antreten werden. Splatter ist etwas fürs Kino. Wäre da nicht der Wiener Puppenspieler Nikolaus Habjan, der schon öfter das Gegenteil beweisen konnte: Selten hat man brutalere,...