Düsseldorf Schauspielhaus: Couragierte Stückzertrümmerung
«Dies ist eine Bühne» – so sorgfältig wird man zu Beginn schon informiert. Dann lernt man: «Dies ist Rosa Enskat. Sie ist eine Schauspielerin.» Brechts Lehrtheater wird fein ironisiert. Während der Vorstellungsrunde fahren die Figuren auf der Drehbühne an uns vorbei wie Figuren in einem Glockenspiel oder einem Wachsfigurenkabinett, jede mit einer charakteristischen Geste. Auf einer Projektionsfläche liest man, dass es nach der Definition des «Duden» zwei Arten von Mut gibt, den «großen» gegen die Gefahr, den «politischen» für die eigene Überzeugung.
In der Mitte brennen dutzende Kerzen. Alles ist hergerichtet für die Brecht-Gedächtnisfeier.
Aber längst hat sich die Schraube weitergedreht. Aus Brechts zarter Verfremdung ist die Zerschlagung jeglicher Illusion geworden. Regisseur Sebastian Baumgarten durchschießt Text und Handlung und Bild immer wieder mit querständigen Assoziationen. Brechts lehrreiche Geschichte von der Frau, die im Dreißigjährigen Krieg ihre drei Kinder verliert, während sie versucht, weiterhin am Krieg zu verdienen, wird von aller Eindeutigkeit befreit und geöffnet für alle möglichen Bedeutungen.
Auf der Projektionsfläche sieht man graue Bilder von Ruinen auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Gerhard Preußer
Falk Schreiber Mitte März habe ich mich sehr auf die Premiere von Studio Brauns «Coolhaze» am Hamburger Schauspielhaus gefreut. Aber am 13. März kam die Meldung, dass die Premiere ausfallen, das Schauspielhaus die restliche Spielzeit wegen Corona für beendet erklären würde. Charly Hübner, Sie hätten in «Coolhaze» gespielt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Charly...
I was thinking, what could I do to give something back to this wonderful city and the wonderful people here?», leitet die Performancekünstlerin Annie Sprinkle den wohl spektakulärsten Teil ihrer legendären Performance «Post Porn Modernist» ein. «I thought maybe I could show you all my cervix. It’s a lot of fun and I think you’d all enjoy it. Would you like to see...
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
