Düsseldorf Schauspielhaus: Couragierte Stückzertrümmerung

Bertolt Brecht «Mutter Courage und ihre Kinder»

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«Dies ist eine Bühne» – so sorgfältig wird man zu Beginn schon informiert. Dann lernt man: «Dies ist Rosa Enskat. Sie ist eine Schauspielerin.» Brechts Lehrtheater wird fein ironisiert. Während der Vorstellungsrunde fahren die Figuren auf der Drehbühne an uns vorbei wie Figuren in einem Glockenspiel oder einem Wachsfigurenkabinett, jede mit einer charakteristischen Geste. Auf einer Projektionsfläche liest man, dass es nach der Definition des «Duden» zwei Arten von Mut gibt, den «großen» gegen die Gefahr, den «politischen» für die eigene Überzeugung.

In der Mitte brennen dutzende Kerzen. Alles ist hergerichtet für die Brecht-Gedächtnisfeier.

Aber längst hat sich die Schraube weitergedreht. Aus Brechts zarter Verfremdung ist die Zerschlagung jeglicher Illusion geworden. Regisseur Sebastian Baumgarten durchschießt Text und Handlung und Bild immer wieder mit querständigen Assoziationen. Brechts lehrreiche Geschichte von der Frau, die im Dreißigjährigen Krieg ihre drei Kinder verliert, während sie versucht, weiterhin am Krieg zu verdienen, wird von aller Eindeutigkeit befreit und geöffnet für alle möglichen Bedeutungen.

Auf der Projektionsfläche sieht man graue Bilder von Ruinen auf ...

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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Gerhard Preußer

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