Eine Seefahrt, die ist lustig

nach Melville «Moby Dick»

Theater heute - Logo

Am 26. Mai 2017 bei «Theater der Welt» in Hamburg

Klingt schwer nach Anmaßung: Circa 1.000 Seiten lang ist Hermann Melvilles Jahrhundertroman «Moby Dick» auf Deutsch, 150 Minuten Theaterzeit gewährt ihm in Hamburg Antu Romero Nunes. Allein ist er mit dieser Zurechtstutzungs-Chuzpe allerdings nicht. Melvilles sperriges Amal­gam aus Apokalypse und Literaturverweisen, gewundenster Hoch- und Fachsprache neben krudem Pidgin-English, allein ins Deutsche sechsmal übersetzt, schreit nach Entschlackung fürs simplere Lesevergnügen.

Die Action-Story vom wahnsinnigen Kapitän Ahab, der sich und seine Mannschaft beim fanatischen Rachefeldzug gegen den weißen Wal, der ihn zum einbeini­gen Krüppel machte, ins Verderben segelt, wurde in Dutzenden Ausgaben seit 1851 bereinigt: um ihre ausführlichen Faktendarstellungen zu Wal und Walfang und die ausufernden philosophischen Exkurse in die verhängnisvolle Natur des Menschen, unterlegt von einem tiefen Nihilismus. Zahlreiche Verfilmungen haben ihren Anteil daran, dass jeder glaubt, «Moby Dick» zu kennen, ohne den Roman je gelesen zu haben.

Und wenn sich der zwischen Berlin, Hamburg, Wien und demnächst auch Zürich rastlos herumswitchende, knapp 30-jährige Nunes auf große Fahrt begibt, darf man guter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Thalia, Seite 57
von

Weitere Beiträge
Pläne der Redaktion

Danton oder Robespierre? Oder beide? Oder keiner von beiden? «Danton»-Inszenierungen müssen sich entscheiden. Der Münchner Theater-des-Jahres-Chef Johan Simons auch.

 

Es gibt viele Wörter für das Wir. «Kollektiv», «Schwarm», «Multitude» oder einfach Gemeinschaft. Neueste Lesefrüchte und entsprechende Bühnen­erfahrungen (rechts: «Retrospective» von Xavier Le Roy)...

Schluffis unplugged

Eigentlich ist «Das Helmi» überhaupt kein Theater. Zumindest keines, wo man angestrengt in die bewährte Kristallkugel aus Dramenliteratur, Inszenierungskonzept, Besetzungsidee etc. blicken muss. Das Helmi ist eher eine Stimmung, ein Geist, ein «spirit». Etwas, das sich an einem beliebigen Sonntagabend in der Berliner Kiez-Spielstätte Ballhaus Ost im dritten Stock...

Einmal im Leben «gültig» sein

1
«In der Nacht des 14. März 1939 träumte Jaromir Hladik, Autor der un­vollendeten Tragödie DIE FEINDE, einer RECHTFERTIGUNG DER EWIGKEIT und einer Untersuchung der indirekten jüdischen Quellen bei Jakob Böhme, in einer Wohnung in der Zeltnergasse in Prag von einer großen Schachpartie.»

So lautet der erste Satz von JORGE LUIS BORGES’ achtseitiger Erzählung DAS...