Die neue Klassengesellschaft?
+ Während sich Arm und Reich in Deutschland wieder schärfer trennen und neu sortieren, müssen sich auch die Bühnen altneuen Fragen stellen.
Warum kommen immer dieselben Häuser zum Berliner Theatertreffen? Wie gut und ambitioniert ist das Schauspiel in der sogenannten Provinz? Welche Dynamik hat die deutschsprachige Bühnenszene in den letzten Jahren erfasst? Ob wir auf dem Weg in eine strenge Klassengesellschaft sind, in der ein knappes Dutzend Metropolentheater sich abkoppelt und den Wettbewerb der Besten unter sich ausmacht, oder ob es auf den Brettern noch eine einigermaßen homogene und chancengleiche Mittelstandsgesellschaft gibt, das untersucht eine Reportage: Wie sieht es wirklich aus in Hamburg und Rostock, Kassel und Bochum, München und Jena?
Theaterstrukturen sind das eine, persönliche Lebenswege das andere. Wie durchlässig ist das Bühnengewebe nach oben und unten, gibt es noch die alten Karrierewege aus der tiefen Provinz über mehrere Stationen an die Spitze, oder muss man auch hier umdenken? Einmal oben, immer oben – einmal übersehen, immer abgelegen? Stichproben, alles andere als zufällig.
++ Der Fotograf Arno Declair hat sich auf die Nord-Süd-Reise gemacht – von Rostock ...
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Wenn man genau hinsah, konnte man die zukünftige Hauptfigur von Guy Krnetas neuem Stück bereits auf einer Bühne erkennen. Im Maßstab 1:87 stand sie da im Foyer des Theaters Basel, inmitten einer Modelleisenbahnlandschaft, inmitten eines Abends eines anderen Theatermachers, inmitten von Stefan Kaegis Stück «Mnemopark», das in einem Modellversuch die Konstruktion des...
Wer kennt die neuen Texte der nächsten Monate besser als die Dramaturgen der Bühnenrepublik, die sich erst durch die jährliche Neuproduktion lesen, um dann ihre erste Wahl am eigenen Haus durchzusetzen? Energische Statements der unermüdlichen Autorenentdecker für ihre Lieblingsstücke von A wie Andruchowytsch bis S wie Stocker.
Draußen vor der Tür versteigert der fast schon gewesene Intendant die Resterampe: Rutschen, Pappmachéwolken, -panzer, -brote, rote Pfeile mit Glühbirnchen, Zebrapuffs von Pollesch. Drinnen weint seine Protagonistin. Aber erst kassiert sie: 1 Euro pro Zuschauer, der dafür 60 Sekunden lang Wiebke Puls und das große Haus des Deutschen Schauspielhauses Hamburg ganz für...
