Wer A ist, muss auch B sagen
Wenn Kunstbanausen, Finanzpolitiker und Wirtschaftszeitungen über das Theater sprechen, dann hört sich das häufig so an, als beginne hinter dem Kartenabreißer eine kapitalismusfreie Zone. Aufzuzählen, wie viele Euro Steuergelder unter jedem Theatersessel kleben, gilt dann als Spitzen-Bonmot, um mit der Behauptung vermeintlicher Verschwendung den Populismus zu schüren.
Denn obwohl Theater eindeutig eine demokratische Dienstleistung ist, die sich ebenso wenig eigenfinanzieren kann wie Parlamente oder Behörden, suggerieren derartige Zahlenspiele, Subventionen an Theater seien wie Kohlesubventionen Gnadengeschenke für einen Wirtschaftszweig, der sich im freien Markt nicht behaupten kann.
Und die Botschaft kommt an. Dort, wo Sozialneid und Ahnungslosigkeit sich zu öffentlichen Äußerungen verdichten, etwa in Berliner Rap-Videos, ist das Feindbild der Kunstschwuchtel ein stehender Terminus. Der verdeckte Aufruf zum kulturellen Kannibalismus, den die dauernde Geringschätzung des Theaters als Patient der Öffentlichen Hand mitteilt, fruchtet aber nicht nur bei den kreativen Chronisten der Dummheit. Vermutlich gibt es im deutschen Jammertal längst eine Mehrheit ganz vernünftiger Mitbürger, ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Die neue Klassengesellschaft?, Seite 6
von Till Briegleb
Wer kennt die neuen Texte der nächsten Monate besser als die Dramaturgen der Bühnenrepublik, die sich erst durch die jährliche Neuproduktion lesen, um dann ihre erste Wahl am eigenen Haus durchzusetzen? Energische Statements der unermüdlichen Autorenentdecker für ihre Lieblingsstücke von A wie Andruchowytsch bis S wie Stocker.
Das Ende der Arbeit beginnt dort, wo die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird. Auch in Rinkes neuem Stück aus der Welt der Arbeitslosen gibt es dieses klassische Modell einer technischen Innovation, die menschliche Arbeit überflüssig macht: Der Nummernautomat in Rinkes Arbeitsamt wird umgerüstet zu einer Voicemailbox, die im Laufe der Zeit auch die...
… der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit der unsere 39 Kritiker in diesem Jahr gleich vier Theater aus Hauptstadt, Nord, Süd und Ost, A- und B-Liga zum Theater des Jahres erkoren. Kopf an Kopf mit je fünf Stimmen laufen ein: Bernd Wilms’ kulturpolitisch heftig umkämpftes und schlussendlich wiedererrungenes Deutsches Theater in Berlin, Frank Baumbauers Münchner...
