Männer!
Das Stück «heiß» besitzt eine so eigentümliche und konsequente Konstruktion, dass man sich ihr mit einer Logik von Außerirdischen nähern möchte. Nehmen wir an: Die Außerirdischen könnten das Leben auf der Erde aus einem beliebigen Detail hochrechnen, ohne jede Hintergrundinformation.
Sie hätten von unserer Zivilisation ein Photo vorliegen, zwei ungefähr gleichaltrige Männer und eine Frau in einem Badeanzug vor einem Haus am Meer – und sie hätten ein Verfahren entwickelt, dieses Photo zum Sprechen zu bringen: Alle Elemente auf dem Photo werden mit den gleichen Sprachkräften ausgestattet. Jedem Element wird der sprachliche und gestische Raum zugewiesen, der seinem Vorkommen im Bild entspricht. Jedes Element bringt seine Position maximal ökonomisch ein. Das schafft einen geringen Spielraum, der mit Hilfe des außerirdischen Rechners nahezu unendliche Kombinationen erlaubt. Niemand verlässt den Raum dieses Photos, nichts wird hinzugefügt, jedes Element variiert seine Möglichkeiten nach der Logik der Verhaltensweisen, die die Außerirdischen im Kern unseres Wesens festgestellt haben.
Zwei einsame Männer stehen auf einem Kai. Sie haben vergessen, wie alt sie sind, sie wissen nicht mehr, ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 144
von Karl Baratta
Der Wärmetod, dem nicht nur laut Lukas Bärfuss unser Universum unvermeidlich entgegensteuert, erscheint an diesem Zürcher Sommertag geradezu greifbar. Das Thermometer zeigt satte 38°C an, kein Lüftchen weht, und selbst im schattigen Hof des Schweizer Landesmuseums steht den Servicekräften, die gemächlich eine Armada von Champagnergläsern nachpolieren, der Schweiß...
Szene 34 oder 0: Nach der Schlägerei. Zwei junge Menschen liegen vor dem Schuppen und stellen sich vor: Er heißt Moe, sie heißt Leyla, und zwischen ihnen hat es gleich gefunkt. Da stecken Erwartungen drin, behauptet Leyla, in dem Namen, den Eltern einem geben und dem man dann gerecht werden muss. Ihrer kommt von Leila Khaled. Die Terroristin, sagt er. Die...
Der Wunsch, einen eigenen Tod zu haben, wird immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie ein eigenes Leben. Man stirbt, wie es gerade kommt; man stirbt den Tod, der zu der Krankheit gehört, die man hat (denn seit man alle Krankheiten kennt, weiß man auch, dass die verschiedenen letalen Abschlüsse zu den Krankheiten gehören und nicht zu den...
