Bewegung und Berührung

Das Internationale Sommerfestival Hamburg schwärmt aus in die Stadt, ignoriert dabei aber die Herausforderungen von Corona für die Theaterpraxis

Auf einer Alsterwiese spielen Menschen. Sie werfen sich eine Plastikflasche zu, und wer die Flasche fallenlässt, legt ein Kleidungsstück ab, erst Schuhe, dann Shirt, dann Slip. Und bald ist alles ein großes Kichern, ein Klatschen von Haut auf Haut, ein Wackeln von Brüsten und Schwänzen. Es sind sexuell aufgeladene Bilder, die hier entstehen, aber gleichzeitig sind es auch berührend unschuldige Bilder, Bilder, die von der Freude an Bewegung und Berührung erzählen und davon, dass «Lust» und «lustig» demselben Wortstamm entspringen.

Juan Dominguez hat sie für das Internationale Sommerfestival des Hamburger Produktionshauses Kampnagel inszeniert, unter dem Titel «This Is Not Normal», was schon darauf verweist, dass die Corona-Pandemie die fröhliche Körperlichkeit erst einmal aus dem Alltag verbannt hat: Die hier gefeierte Berührung ist auch ein politisches Statement in Zeiten, in denen Berührungen per se unter Infektionsverdacht stehen. Klatsch. 

Das Internationale Sommerfestival findet dieses Jahr zeitgleich mit dem «Kultursommer Hamburg» statt, keinem Festival im eigentlichen Sinne, wie der Name vermuten ließe, sondern ein Versuch, der von der Pandemie – beziehungsweise dem Lockdown ...

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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Falk Schreiber

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