Bewegung und Berührung
Auf einer Alsterwiese spielen Menschen. Sie werfen sich eine Plastikflasche zu, und wer die Flasche fallenlässt, legt ein Kleidungsstück ab, erst Schuhe, dann Shirt, dann Slip. Und bald ist alles ein großes Kichern, ein Klatschen von Haut auf Haut, ein Wackeln von Brüsten und Schwänzen. Es sind sexuell aufgeladene Bilder, die hier entstehen, aber gleichzeitig sind es auch berührend unschuldige Bilder, Bilder, die von der Freude an Bewegung und Berührung erzählen und davon, dass «Lust» und «lustig» demselben Wortstamm entspringen.
Juan Dominguez hat sie für das Internationale Sommerfestival des Hamburger Produktionshauses Kampnagel inszeniert, unter dem Titel «This Is Not Normal», was schon darauf verweist, dass die Corona-Pandemie die fröhliche Körperlichkeit erst einmal aus dem Alltag verbannt hat: Die hier gefeierte Berührung ist auch ein politisches Statement in Zeiten, in denen Berührungen per se unter Infektionsverdacht stehen. Klatsch.
Das Internationale Sommerfestival findet dieses Jahr zeitgleich mit dem «Kultursommer Hamburg» statt, keinem Festival im eigentlichen Sinne, wie der Name vermuten ließe, sondern ein Versuch, der von der Pandemie – beziehungsweise dem Lockdown ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Falk Schreiber
Tobi Müller Mit «Holozän», dem Abend nach der Novelle von Max Frisch, ist Ihnen ein Hit zum Klimawandel gelungen, mit Einladungen und Preisen. Die Nachfolgearbeit heißt «Afterhour» und wurde als Poem zur Post-Pandemie verstanden. Im Nachtleben ist eine Afterhour allerdings ein Absturzladen, in dem man morgens noch einmal ganz viele Drogen nimmt und komische Dinge...
#MeToo auf der Theaterbühne zu thematisieren, ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen. Da, wo noch immer patriarchale Hierarchien herrschen, ist auch sexualisierter Machtmissbrauch nicht weit. Der eigenen Branche den Spiegel vorzuhalten, dazu fehlte Roland Schimmelpfennig der Mut. Das Theater selbst spielt dann auch in seinen «Siebzehn Skizzen aus der...
Dass die antike Hochkultur der Griechen als Wiege Europas gilt und in Athen mit der Einführung eines auf Volkssouveränität basierten Geschworenengerichts ein erster Schritt hin zu einem demokratischen Gemeinwesen gewagt wurde, ist noch heute die Voraussetzung für die Erzählung von den «universellen Werten», denen die Europäer sich eigentlich verpflichtet fühlen...
