Der Schnitzler- Konsens
#MeToo auf der Theaterbühne zu thematisieren, ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen. Da, wo noch immer patriarchale Hierarchien herrschen, ist auch sexualisierter Machtmissbrauch nicht weit. Der eigenen Branche den Spiegel vorzuhalten, dazu fehlte Roland Schimmelpfennig der Mut. Das Theater selbst spielt dann auch in seinen «Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit» keine Rolle. Die Filmbranche aber schon: etwa in Gestalt einer Schauspielerin um die 50, die nur noch eine Rolle erwarten darf, wenn sie dem lüsternen Filmproduzenten sexuell gefügig wird.
Der benutzt «Sexbomb» als Handyklingelton, braucht Viagra, das er schon zu Beginn des Treffens schamlos sichtbar einwirft. Eine erbärmliche Figur. Evgenia Dodina spielt ihn als Hosenrollenwitzfigur. Während Sylvana Krappatsch die Ex-Bühnen-Diva mit einer Würde gibt, die angesichts des Verlaufs dieser peinlichen Szene tragische Züge annimmt.
Schimmelpfennigs Stück ist eine Überschreibung von Arthur Schnitzlers 100 Jahre altem Skandalstück «Reigen». Die Uraufführung fand im vergangenen Juli im Stuttgarter Schauspielhaus statt. Schimmelpfennig hat Schnitzlers Figuren ins Heute geholt – samt allgemein verbreiteter Lustmittel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Verena Großkreutz
Es ist ein letzter Tanz, nur ein kleines Wiegen in den Hüften: Summend und mit geschlossenen Augen erinnert sich Rebecca an ihre Jugend, an ihren Abschlussball und ihren ersten Kuss. «Only you» schallt es dazu von The Platters durch den Raum. Einen kurzen Augenblick lang denkt man, Rebecca habe ihren Frieden gemacht. Sie, die doch den ganzen Abend – und dieser...
AALEN, THEATER DER STADT
2. nach Shelley, Frankenstein
R. Jonathan Giele und Marco Kreuzer
ALTENBURG/GERA, THEATER
2. nach Brussig, Helden wie wir
R. Manuel Kressin
5. nach Schami, Der Wunderkasten
R. Maria Preschel
8. nach Tschechow, Der Heiratsantrag und Das Jubiläum
R. Jan Jochymski
ANNABERG, EDUARD-VON-WINTERSTEIN-THEATER
4. Reffert, Ronny von Welt
R. Annelen...
Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.
Ein Subjekt, das sich selbst...
