Zwanzig Jahre später
Geflüchteten Menschen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selbst sprechen können, scheint das probate Mittel zu sein, um als Theater auf die untragbare Situation der Geflüchteten in Europa reagieren zu können. Dass sich diese Haltung weitgehend durchgesetzt hat, rührt auch von der verstärkten Selbstrepräsentation der Geflüchteten her, die in Protestcamps in Berlin, München, Wien und mittels verschiedener Protestaktionen ihre Stimme erhoben und ihre Rechte einforderten.
«Homohalal» stellt sich der Thematik mit den Mitteln des Repräsentationstheaters, entspringt aber einem dieser Ereignisse, dem Wiener Refugee Protest Camp im Votivpark und in der Votivkirche. Die Theater- und Filmemacherin Tina Leisch, die dort Theaterworkshops mit Geflüchteten veranstaltete, bat den Wiener Autor Ibrahim Amir, aus den Wortbeiträgen der Teilnehmer/innen einen Stücktext zu entwickeln, der schließlich von den Geflüchteten aufgeführt werden sollte.
Amir, praktizierender Arzt und Nestroypreis-Gewinner für seine Ehrenmord-Komödie «Habe die Ehre», hatte 2002 Syrien verlassen, nachdem er wegen einer politischen Aktion (einer an der Uni von Aleppo organisierten Schweigeminute für die Opfer des ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Veronika Maurer
Es gibt Dinge, die kann man nicht oft genug sagen. Guten Tag, zum Beispiel. Wer höflich ist, sagt das ziemlich oft.
Dusan David Parizek kann ausgesucht höflich sein. In seinen Inszenierungen, die seit bald fünfzehn Jahren an den großen deutschsprachigen Häusern zu sehen sind, sagen deshalb Schauspieler zu Zuschauern «Guten Tag», nicken den Besuchern zu und stellen...
Wir hatten ja auch gute Jahre», sagt in Ralf Rothmanns Roman «Milch und Kohle» die Mutter der Hauptfigur Simon. Die Beckmann-Geschwister, die zu viert bzw. zu fünft eingerechnet den Sohn von Maja selbst eine schöne Rothmann-Collage entwickelten und damit vor allem rundum im Revier gastierten, hatten und haben, nehme ich an, viele gute Jahre miteinander.
Lina...
Wer mit Ungeheuern kämpft», schrieb Nietzsche, «mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.» Von den Monstern unseres Energiezeitalters und der Liebe zwischen einer Biene und einem Wal erzählt Roland Schimmelpfennig in seinem 2013 in Tokyo uraufgeführtem Stück.
Ein kleines Hotel am Hafen. Jede Woche treffen sich hier drei Paare und mieten sich für ein...
