Postideologische Querfronten
Nicht erst seit vor ein paar Jahren der «Nipster» durch die vermischten Nachrichten geisterte – Personen im Hipster-Outfit auf Nazi-Demos – und Neonazis als «Nationale Autonome» Methoden und Looks des «Schwarzen Blocks» imitierten, verlangt ein Phänomen nach Deutung, das in verschiedenen Formen schon seit Beginn des neuen Jahrtausends aktenkundig ist: die Querfront.
Nicht nur Einzelne, die politisch zwischen und über den Demarkationslinien irrlichtern, sondern neue Parteien und Bewegungen werden unter diesem Begriff zusammengefasst, deren zentrales Charakteristikum eine ungewöhnliche, über die Gräben der bekannten politischen Konstellationen Brücken bildende Allianz ist. Das Spektrum reicht von der kulturellen Anpassung und Entwendung von Lifestyle-Elementen aus dem Repertoire der politischen Gegner bis zur Wiederbelebung des Nationalbolschewismus und anderer unguter Verbindungen aus der Weimarer Republik.
Postideologischer Konsens
Erst kamen Leute wie der pararassistische, niederländische Muslimbekämpfer Pim Fortuyn, der aber seinen massiv gegen liberale Toleranz-Ideen gerichteten Antimultikulturalismus mit einem libertären Bekenntnis zu den Rechten und Freiheiten von Schwulen und ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Wo herrscht der Konsens?, Seite 14
von Diedrich Diederichsen
Die Debatte über das Ensembletheater in Deutschland wird zur Zeit wieder aggressiv und nervös geführt. Zugegebenermaßen fällt es schwer, der German-Angst-Fraktion auf Premierenfeiern zu entkommen und dennoch nicht der neoliberal orientierten Antisubventionslogik zu folgen. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma?
Ensembles sind zunächst Zusammenschlüsse von Menschen zum...
Aktionen wie «Die Toten kommen» des Zentrums für Politische Schönheit appellieren an die unmittelbare Wirkung von Kunst jenseits institutionell verfasster Grenzen. Es gibt hier weder individuell verfasste Autorschaften noch ein erlesenes Publikum, sondern einzig ein Pathos des Allgemeinen und der Vielen, in dem sich die Überwindung der konstitutiven...
Ausgerechnet eine TV-Serie (wenn auch nicht die schlechteste!) inspirierte Noah Haidle 2008 zu einem wahren Mammutprojekt: «Ich sah die Fernsehserie ‹24› und wollte so etwas auf die Bühne bringen. Heraus kam ein Zyklus von Stücken, den ich ‹Local Time› nannte», sagte Haidle. Zwölf jeweils zweistündige, thematisch lose miteinander verbundene Zweiakter sollten 24...
