Autonomie und Aktivismus
Aktionen wie «Die Toten kommen» des Zentrums für Politische Schönheit appellieren an die unmittelbare Wirkung von Kunst jenseits institutionell verfasster Grenzen. Es gibt hier weder individuell verfasste Autorschaften noch ein erlesenes Publikum, sondern einzig ein Pathos des Allgemeinen und der Vielen, in dem sich die Überwindung der konstitutiven Ausschlusslogik bürgerlich-moralischer Anstalten ausdrückt.
Die Frage stellt sich, wie solche Aktionen ästhetisch, moralisch oder politisch bewertet werden können, und ob der Anspruch auf reale Wirksamkeit, Notwendigkeit und Dringlichkeit überhaupt bewertet werden soll und kann. Denn gerade der Appell an die Unmittelbarkeit der Wirkung, die Realität des Aktionsfeldes und die Moralität des eigenen Anspruchs scheint jede relativierende Bewertung auszuschließen, was von den bürgerlichen Medien meist als eine Art von moralisch-ästhetischer Erpressung aufgefasst wird bzw. als eine Instrumentalisierung jener Themen und Personen, denen sie ohnehin längst die ungeteilte Aufmerksamkeit zollen.
Die historische und politische Dimension des Konflikts, die sich hier zeigt, lässt sich nicht von der Frage trennen, welche Kriterien auf beiden Seiten ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Das Recht der Kunst, Seite 96
von Helmut Draxler
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Das ideale Ensemble erwacht um 5.19 Uhr bei Sonnenaufgangunter der Brücke, es hat mit einem Chor von Bürgern die Nacht verbracht, um die Räumung eines Obdachlosen zu verhindern. Das ideale Ensemble geht direkt auf die Probe und fühlt sich trotz der kurzen Nacht ausgeruht, es hat sich regelrecht erholt in der letzten Zeit und die Massenproduktion den neuen Märkten...
... zieht sich Wolfram Lotz’ Kolonialismus-Groteske «Die lächerliche Finsternis» durch die diesjährige Kritikerumfrage. Nicht nur waren sich mehr Kritiker als jemals zuvor, nämlich 27, einig, dass dies das deutschsprachige Stück des Jahres ist (zweitplatziert folgt mit 4 Stimmen Ewald Palmetshofers «die unverheirate»), 8 Kollegen machten auch Dusan David Parizeks...
