Autonomie und Aktivismus
Aktionen wie «Die Toten kommen» des Zentrums für Politische Schönheit appellieren an die unmittelbare Wirkung von Kunst jenseits institutionell verfasster Grenzen. Es gibt hier weder individuell verfasste Autorschaften noch ein erlesenes Publikum, sondern einzig ein Pathos des Allgemeinen und der Vielen, in dem sich die Überwindung der konstitutiven Ausschlusslogik bürgerlich-moralischer Anstalten ausdrückt.
Die Frage stellt sich, wie solche Aktionen ästhetisch, moralisch oder politisch bewertet werden können, und ob der Anspruch auf reale Wirksamkeit, Notwendigkeit und Dringlichkeit überhaupt bewertet werden soll und kann. Denn gerade der Appell an die Unmittelbarkeit der Wirkung, die Realität des Aktionsfeldes und die Moralität des eigenen Anspruchs scheint jede relativierende Bewertung auszuschließen, was von den bürgerlichen Medien meist als eine Art von moralisch-ästhetischer Erpressung aufgefasst wird bzw. als eine Instrumentalisierung jener Themen und Personen, denen sie ohnehin längst die ungeteilte Aufmerksamkeit zollen.
Die historische und politische Dimension des Konflikts, die sich hier zeigt, lässt sich nicht von der Frage trennen, welche Kriterien auf beiden Seiten ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Das Recht der Kunst, Seite 96
von Helmut Draxler
1. Kurz vor Probenbeginn zur «unverheirateten» von Palmetshofer Ewald, Café Europa, 16 Uhr, Wien
Reinsperger Hallo. Ich bin die Steffi. Schön dich mal kennenzulernen.
Borgmann Ja, schön. Hallo. Robert. Find ich auch. Gut hier irgendwie.
Reinsperger Ja, ich bin öfter hier. Ich kenn’ hier den Barkeeper.
Borgmann Aha. Das kann nie schaden. Ich bestell mal was.
Stefanie...
Was ist ein Ensemble? Ist das ein zusammengewürfelter Haufen? Oder maßgeschneidert gecastet? Sind das lauter Individuen oder ein Haufen plus Star? Sind es lauter Stars? Es gibt so viele unterschiedliche Aspekte! Ich erwarte inzwischen von den Schauspielern, dass sie selbständig spielen, Vorschläge machen, dass sie Künstler sind – Schauspielkünstler, Körperkünstler...
TH Das Theater lebt von Konflikten. Dabei wird leicht übersehen, dass Konflikte nicht nur trennen, sondern auch verbinden: Man ist sich zumindest über das Problem einig. Wir wollen aber einen Schritt weitergehen und ganz direkt nach Konsens fragen. Was ist der Konsens-Kitt in unserer hoch arbeitsteiligen, funktional differenzierten Gesellschaft, was hält 80...
