Zeigt eure Klasse!
Wie fühlt es sich eigentlich an, in einem der größten zusammenhängenden Betonfundamente Euro - pas – dem Hannoveraner Ihme-Zentrum – aufzuwachsen? «Betonklotz 2000» erzählt die Geschichten vier junger Menschen, für die dieses, einst als utopisches Stadtkonzept geplante Bauwerk, soziale Ungleichheit und Realität bedeutet. Zwischen Verfall und Gentrifizierung betrachten die Jugendlichen den Klotz und sehen: Eltern, die sich bemühen. Ein Fundament, das bröckelt. Freund:innenschaften, die verbinden. – Ihr Zuhause.
Geschichten über Menschen aus Arbeiter: -innen- oder Armutshaushalten lassen sich nicht reduzieren auf Kategorien von Unten und Oben, Aufstieg und Versenkung. So abgenutzt diese Projektionsflächen von Armut zwar scheinen, so haben sie doch noch lange nicht an Macht über die von ihnen geotherten verloren. Das beweist Autorin Jona Rausch in ihrem ersten Text für die Bühne, ganz ohne den Drang, sich in akademischen Diskursschleifen über Klassismen zu verlieren. Ihr Zugang zur Theorie zeigt sich in einer intelligenten, feinfühlig-verspielten Unvermitteltheit, die Diskurs und Handlung miteinander vereint.
Denn Theorie bedeutet neben Stärkung vor allem Schutz. Viele ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 156
von Saskia Jabłonska
Wann haben Sie sich zuletzt so richtig geärgert, und warum? Die Frage trifft. Ich fühle mich ertappt und gehe im Geiste die Situationen durch, in denen ich zur Beute dieses ungeliebten und unattraktiven Gefühls geworden bin, frage mich, ob ich mich zu oft geärgert habe in letzter Zeit, vielleicht auch zu sehr und womöglich aus zu geringem Anlass? Ich frage mich...
Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das...
Wenn Wände sprechen könnten, dann würden sie in einem Altbau Geschichten von zahlreichen Menschen erzählen, die aus den verschiedensten Gründen kamen und gingen und sich in ihren Wohnungen in unterschiedlichen Sprachen unterhielten. Ein Umstand sorgt für besonderen Gesprächsbedarf in dem Altbau, den Raphaela Bardutzky zum Schauplatz ihrer «Schaueroper» gemacht hat:...
