Zeigt eure Klasse!
Wie fühlt es sich eigentlich an, in einem der größten zusammenhängenden Betonfundamente Euro - pas – dem Hannoveraner Ihme-Zentrum – aufzuwachsen? «Betonklotz 2000» erzählt die Geschichten vier junger Menschen, für die dieses, einst als utopisches Stadtkonzept geplante Bauwerk, soziale Ungleichheit und Realität bedeutet. Zwischen Verfall und Gentrifizierung betrachten die Jugendlichen den Klotz und sehen: Eltern, die sich bemühen. Ein Fundament, das bröckelt. Freund:innenschaften, die verbinden. – Ihr Zuhause.
Geschichten über Menschen aus Arbeiter: -innen- oder Armutshaushalten lassen sich nicht reduzieren auf Kategorien von Unten und Oben, Aufstieg und Versenkung. So abgenutzt diese Projektionsflächen von Armut zwar scheinen, so haben sie doch noch lange nicht an Macht über die von ihnen geotherten verloren. Das beweist Autorin Jona Rausch in ihrem ersten Text für die Bühne, ganz ohne den Drang, sich in akademischen Diskursschleifen über Klassismen zu verlieren. Ihr Zugang zur Theorie zeigt sich in einer intelligenten, feinfühlig-verspielten Unvermitteltheit, die Diskurs und Handlung miteinander vereint.
Denn Theorie bedeutet neben Stärkung vor allem Schutz. Viele ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 156
von Saskia Jabłonska
Auch wenn das Schiff hart stampft und einen unsicheren Schritt tut, steh ruhig auf Deck.» Ist dies die poetische Definition von Resilienz? Jenem seit der Jahrtausendwende so populär gewordenen Begriff, den der US-amerikanische Psychologe Jack Block in den 1950er Jahren prägte. Zur gleichen Zeit also, in der Ingeborg Bachmann ihr Gedicht «Ausfahrt» schrieb, aus dem...
Frau Yamamoto, über siebzig Jahre alt, war einmal eine Sägewerksbesitzerin, mit Vornamen heißt sie Sole. Sie hat ihren Sohn, einen begeisterten Kletterer, durch einen Unfall in den Dolomiten verloren. Ihr Mann hat sie verlassen. Er lebe jetzt im Norden, wo immer das sein mag, und er habe noch zwei Töchter bekommen. Frau Yamamoto hat danach viel gearbeitet, jetzt...
100% Narva› bewegt mich immer noch», schreibt die estnische Kulturjournalistin Madli Pesti in ihrer Reportage über die Aufführung von Rimini Protokolls partizipatorischem Projekt Mitte November 2022. «Die Äußerungen meiner Landsleute in der Performance bleiben verstörend. Ich kann es nicht fassen, dass meine Mitbürger sich abwenden bei der Frage, ob sie die...
