Widerspruch und Öffentlichkeit

Enrico Lübbe will Differenzen nicht vorschnell auflösen, sondern Ambivalenzen verteidigen

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Der Backlash inszeniert sich als die Rückkehr zur Ordnung, zu einer angeblich verdrängten «Normalität». Und er inszeniert sich als Versprechen: Nun sollen nicht mehr diejenigen ihre Position rechtfertigen, die an der «alten Ordnung» festhalten wollen. Stattdessen soll sich die Gegenposition erklären, warum Gleichheit, Diversität oder soziale Gerechtigkeit überhaupt noch verfolgenswerte Ziele sind. Der Begründungszwang hat die Seite gewechselt.

Jede reale Verschiebung von Sichtbarkeit, Sprache und Ansprüchen erzeugt Gegenkräfte.

Dass feministische, queere oder postkoloniale Perspektiven vehement attackiert werden, ist auch ein Indiz dafür, dass sie wirksam geworden sind. Der Backlash ist insofern nicht nur Reaktion auf, sondern unfreiwilliger Beweis gesellschaftlicher Veränderung. Auch im Versuch des Zurück wirken die Verschiebungen fort, die zu negieren versucht werden. Geschichte bewegt sich selten rückwärts, sondern meist in Überlagerungen – selbst der Rückschritt trägt die Spuren dessen, was er zurückweisen will.

Viele der Debatten, die heute politisch eskalieren, hat das Theater bereits intensiv und inhaltlich geführt. Die Auseinandersetzungen um Repräsentation, Autorität, ...

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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 48
von Enrico Lübbe

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