Der Backlash ist kein Naturgesetz
Im Frühling 2023 inszenierte ich in Riga Molnárs «Liliom» – ein Stück über die Spirale der Gewalt; über einen Mann, der seine Frau schlägt, sich dann das Leben nimmt und als Geist seine sechzehnjährige Tochter nicht zu streicheln vermag, sondern ihr auf die Hand schlägt. Molnár Ferenc, der Autor, schlug seine erste Frau – auch noch, als sie ihr gemeinsames Kind erwartete. Möglich, dass er «Liliom» als Versöhnungsgeste verstanden wissen wollte.
Und es wurde seit der Uraufführung 1909 traditionell als romantisches Drama über eine leiden -schaftliche, schicksalhafte Liebe gespielt.
Die Gewalt war universell in unserer Vorstellung, sie kam vom Staat, von den Polizisten, und verbreitete sich wie eine vergiftete, dichte Luft, die jeden Moment mit einem unsichtbaren Gewicht bedrückte und das Handeln lähmte. In ihr lebten die Menschen auf zweierlei Weise: Die einen erlebten sie als tragende, schützende Naturkraft, die anderen mussten ihr in jeder Sekunde Kraft entgegensetzen, um überhaupt auf den Beinen zu bleiben.
2023 war die Istanbul-Konvention in Lettland noch nicht ratifiziert – in einem Land mit einer der höchsten Pro-Kopf-Raten an Femiziden in Europa, höher noch als in Russland, ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 46
von Ildikó Gáspár
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Der Krieg ist vorbei. Eine Schlagzeile oder die Beschreibung eines historischen Moments. Ein Satz, nach dem Menschen auf den Straßen tanzen, sich küssen, auf Panzer klettern und Champagnerflaschen gegen Mauern schlagen.
Der Krieg ist vorbei! Jakob Noltes neues Stück «Der Krieg ist vorbei» beginnt genau dort, wo der histo -rische Moment zur Performance wird. Eine...
