Überleben auf eigene Rechnung

Anne Jelena Schulte «The truest True Crime»

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Ein Chor der Radfahrerinnen tritt unermüdlich in die Pedale, lässt nicht locker, fährt den ganzen Parcours der Ereignisse noch einmal ab. Ein Verbrechen, lange Zeit nur als ES oder DAS benennbar, bildet den Ausgangspunkt; es handelt sich um eine Vergewaltigung. Vorher ist ein Ort, an den man nicht mehr zurückkehren kann. Nachher ist ein Raum oder ein Zustand, in dem alles zerbrochen ist. Die Fahrt, die die Radfahrerinnen unternehmen, ist das Erzählen selbst. Gut, wenn man dabei nicht allein ist.

Aber der Chor ist auch ein Vehikel, um eine Geschichte auf viele Körper zu verteilen, weil sie nicht einmalig ist, sondern massenhaft passiert. Der Chor erlaubt zudem das Abspalten einzelner Persönlichkeits -anteile, wodurch dieses schmerzhafte Selbstgespräch irgendwie beherrschbar wird. Die Rekonstruktion des Verbrechens und all der verschiedenen Wahrheiten, die dahinter liegen, geschieht sprunghaft, folgt assoziativ der Erinnerung und ihren hervorstechenden Indizien, setzt bruchlos einzelne Segmente zusammen. Und dennoch: Es wird nichts ausgelassen.

Diese Radtour ist eine Karussellfahrt, die einen allmählich aus der Komfortzone jeder Sicherheit schleudert. Die Radfahrerinnen starten ...

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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 154
von Viola Hasselberg

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